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Der Chart des Tages

Die Wein-Blase ist geplatzt. Prosit!

Peter Rohner

Wine

Quelle: Bloomberg

Eine gute Flasche Wein ist mehr als ein Genussmittel, sie kann auch eine Anlage sein. Denn Wein lässt sich gut lagern, gewinnt unter Umständen mit der Reife sogar an Qualität, und es gibt eine immer grössere Klientel, die für exklusive Gaumengenüsse oder Etiketten fast jeden Preis zu bezahlen bereit ist.

Wein, das flüssige Gold

So richtig populär wurden Weininvestments mit dem Verlust des Vertrauens in Finanzanlagen und den aufkommenden Inflationsängsten im Zuge der Finanzkrise. Der Anstieg verlief parallel zur Goldhausse. Doch wie die Grafik zeigt, begannen die Preise schon vorher kräftig zu steigen. Der abgebildete Liv-ex Fine Wine 100 Index bildet den Preisverlauf der hundert meistgesuchten und meistgehandelten Weine ab. Der Grossteil stammt aus dem Bordeaux, es hat aber auch andere französische Top-Weine und ein paar edle Italiener darunter. (Die Liste der hundert Weine finden Sie hier.)

Chinesischer Luxusdurst

In den Jahren vor der Finanzkrise erlebte die Weltwirtschaft und vor allem die Emerging Markets eine Hochblüte. Von grosser Bedeutung für den Weinmarkt wurde damals China. Denn die teuren Weine trafen den Geschmack der schnell zu Reichtum gekommenen chinesischen Investoren in der Boomphase ab 2006, auch wenn sie keine besonderen Weinkenner waren. Die rasante Preisentwicklung und die schnelle Erholung nach der Finanzkrise lockten mehr Investoren an. Immer mehr Fonds, die in die Alkoholika investieren, wurden lanciert.

Trinken statt sparen

Doch seit Juni 2011 ist die Party vorbei. Die Wende fällt etwa auf den Zeitpunkt, als sich in China und den rohstoffexportierenden Schwellenländern eine Wachstumsverlangsamung abzuzeichnen begann und auch Gold (Gold 1'700.17 +0.16%) seinen Glanz verlor. Seither hat der Wein-Index mehr als 30% an Wert eingebüsst.

Die Investoren, die die edlen Weine im Keller haben, hätten sie besser gleich getrunken. Die einzig verlässliche Rendite, die eine gute Flasche Wein abwirft, ist eben doch der Gaumenschmaus.

Den Chart des Vortages finden Sie hier.