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Der Chart des Tages

Woran Europas Wirtschaft krankt.

Clifford Padevit

Die Europäische Zentralbank (EZB) verfolgt eine sehr lockere Geldpolitik. Sie hält den Leitzins ist seit Juli 2012 bei 0,75%, die Übernachtzinsen im Euroraum sind beinahe null und die Liquidität im Geldmarkt ist dank besonderer Massnahmen üppig. Doch die Vorteile der lockeren Geldpolitik kommen nicht bei jenen Unternehmen an, die günstige Kredit benötigen würden, nämlich jene in der Europheripherie. Der Transmissionsriemen der Geldpolitik in Europa ist gerissen. Und so sieht das aus:

Quelle: Morgan Stanley Research

In der Grafik wird dargestellt, wieviel ein Unternehmen für einen kurzfristigen, unterjährigen Bankkredit bezahlen muss. Auffällig ist der riesige Unterschied zwischen den Zinsen in Deutschland sowie Frankreich (um 2,5%) und jenen in Italien oder Spanien (um rund 4%). Dieser Unterschied lässt sich nicht allein mit der Bonität eines Unternehmens erklären, vielmehr liegt es an den Banken. Sie verzeichnen immer mehr Problemkredite (besonders in Italien), sie sind also mit der Bilanzreparatur beschäftigt. Sie scheuen daher neue Risiken oder wollen sich fürstlich dafür bezahlen lassen.

Konkret heisst das für die einzelnen Unternehmen, ihre Kreditkosten sind abhängig vom Domizil. Diese nationalen Divergenzen – dies entspräche unterschiedlichen Zinssätzen in verschiedenen Schweizer Kantonen – ist der EZB ein Dorn im Auge. Denn ihre lockere Geldpolitik kommt nur bei den «falschen» an. So viel ist sicher: So lange diese Divergenz bei den Kreditkosten innerhalb der Eurozone anhält, wird die EZB weiterhin unkonventionelle Mittel einsetzen, um die Kreditversorgung zu normalisieren.

Den Chart des Tages von Mittwoch finden Sie hier.