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Der Chart des Tages

Katalonien auf dem Weg zur Unabhängigkeit?

Tina Haldner

Quelle: Morgan Stanley

Geht es nach den Katalanen, werden sie am 9. November über ihre Unabhängigkeit von Spanien abstimmen.

Laut aktuellen Umfragen sind 45% der katalanischen Bevölkerung der Meinung, dass die Region vollständig unabhängig von Spanien sein soll (blaue Kurve). Die Zustimmungsquote lag im Jahr 2000 bei rund 14% und ist seither kontinuierlich gestiegen, wobei die jüngsten Erhebungen eine Mässigung des Trends zeigen.

Seit 1978 besitzt Katalonien Autonomiestatus innerhalb Spaniens. Als «historisches Gebiet» – neben dem Baskenland, Galizien und Navarra – verfügt die Region über ein besonders hohes Mass an Selbstbestimmung bei Gesetzgebung und Verwaltung. Rund 25% der Befragten wollen an der gegenwärtigen Situation festhalten (grüne Kurve).

Eine Abspaltung der vermögenden Region wäre schmerzhaft für den Zentralstaat: Katalonien trägt knapp ein Fünftel zum spanischen Bruttoinlandprodukt (BIP) bei. Zum Vergleich: Die Wirtschaftsleistung der Bundesstaaten Kalifornien und New York beläuft sich auf rund ein Fünftel des US-BIP.

Die Katalanen sind im Durchschnitt wohlhabender als ihre Landsleute, aber auch als der durchschnittliche Einwohner in der Eurozone. Gemessen an der Kaufkraft verfügen sie im Schnitt über ein 22% höheres Einkommen als die übrigen Spanier.

So einfach will die Regierung in Madrid das wirtschaftliche Schwergewicht denn auch nicht ziehen lassen: Sie hat das Referendum für verfassungswidrig erklärt und will auch eine nicht bindende Konsultativabstimmung verhindern.

Ob und in welcher Form das Referendum zur Abstimmung kommt, ist daher unsicher: Das Verfassungsgericht hat gestern zugunsten der Zentralregierung entschieden und will die Verfassungsmässigkeit des politischen Vorstosses prüfen. Bis das Urteil gefallen ist, muss die Abstimmung aufgeschoben werden.

Den Chart von gestern finden Sie hier.

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