Blogs / Momentum / Chart des Tages

Der Chart des Tages

Was die Goldinitiative in Zahlen bedeutet.

Peter Rohner

Am 30. November kommt die Volksinitiative «Rettet unser Schweizer Gold» vor das Volk. Sie verlangt unter anderem, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) kein Gold mehr verkaufen darf und mindestens 20% ihrer Aktiva in Gold halten muss.

Derzeit hält die SNB 1040 Tonnen Gold, zu Marktpreisen machen sie etwas weniger als 8% der Bilanzsumme aus. Um auf 20% zu kommen, müsste sie 1488 Tonnen Gold kaufen. Das ist fast so viel wie die globalen Goldbestände aller durch Gold gedeckten ETF oder die Hälfte der jährlichen Minenproduktion. Die Grafik illustriert, wie sich die Aufstockung auf 2582 Tonnen Gold auf das Verhältnis der Goldbestände zum Bruttoinlandprodukt (BIP) auswirkt. Der Anteil des SNB-Goldes am BIP (gestrichelte Linie) würde dann 16% betragen und wäre fast so hoch wie die gesamte SNB-Bilanz in Relation zum BIP vor der Finanzkrise, da die SNB-Bilanz wegen der Eurokäufe auf 80% des BIP (dunkelblau) gestiegen ist. SNB Quelle: Barclays

Da die Umsetzung des Initiativtextes die Handlungsfähigkeit der SNB massiv einschränken würde, warnt die SNB-Spitze vor der Annahme der Goldinitiative. Wenn die SNB die aufgeblähte Bilanz wieder kürzen möchte, stiege der Goldanteil immer weiter, da es unverkäuflich wäre. Im Extremfall könnte die Aktivseite der SNB-Bilanz nur noch aus Gold bestehen, und eine weitere Bilanzverkürzung wäre unmöglich.

Dennoch stösst die Goldinitiative in der Bevölkerung auf beachtliche Zustimmung. Laut einer Online-Umfrage von 20Minuten.ch würden 45% die Vorlage annehmen und 39% ablehnen. Ein grosser Teil (16%) ist noch unentschieden. Über 13’000 Personen haben an der Umfrage teilgenommen. Zwei Politologen haben die Daten so gewichtet, dass die Stichprobe möglichst gut der Struktur der Stimmbevölkerung entspricht.

Die Annahme der Goldinitiative hätte auch Auswirkungen auf den Goldpreis, die Kursuntergrenze und die Schweizer Zinsen. Auch wenn die Goldkäufe über fünf Jahre gestaffelt stattfänden, gäbe das dem Goldmarkt eine gewisse Stütze. Das Verteidigungsbollwerk des Euromindestkurses von 1.20 Fr./€ könnte nach einem Ja ins Wanken geraten. Denn mit jeder Intervention am Devisenmarkt steigt die Bilanzsumme der SNB weiter und schrumpft wegen der Goldregel die zukünftige Handlungsfähigkeit. Zur Bekämpfung des starken Frankens könnte die SNB dann wieder Negativzinsen erwägen. Der Chart des Tages von gestern finden Sie hier.

Leser-Kommentare