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Der Chart des Tages

No exports please, we're British.

Andreas Neinhaus

Grossbritannien ist bekannt dafür, politisch eigenständige Positionen zu bevorzugen, die dem internationalen Konsens durchaus widersprechen können. Aktuell sichtbar in seiner Beziehung zur Europäischen Union. Die Publikation des Bruttoinlandprodukts (BIP) im dritten Quartal legt offen, dass das Königreich auch wirtschaftlich anders funktioniert als andere europäische Nationen. Zum einen: Die Wirtschaft wächst kräftig, deutlich mehr als die Konkurrenz. Zum anderen: Die Wachstumsquellen sind ganz andere als in den übrigen EU-Staaten.

Wie der Chart zeigt, wächst die britische Wirtschaft fast ausschliesslich dank des Dienstleistungssektors (im Chart: Services). Von der Industrie  (Production industries) kommt praktisch kein Impuls. Ebenso wenig vom Bausektor (Construction). Die Konjunkturerholung der vergangenen Quartale ist ausschliesslich der Binnennachfrage zu verdanken. Der Finanzsektor in London spielt hier sicherlich eine beachtliche Rolle. Grossbritannien hängt so gut wie gar nicht vom Exporterfolg seiner Industrie ab.

Was in normalen Zeiten als Schwachpunkt einer Volkswirtschaft ausgelegt werden könnte, erweist sich hingegen als Segen für die Konjunktur. Die Nation scheint wenig anfällig zu sein für die wirtschaftliche Abkühlung im nichteuropäischen Ausland und das permanent unterkühlte Klima in der EU.

Im dritten Quartal ist das britische BIP 0,7% gegenüber dem Vorquartal gewachsen (im Chart: GVA Total economy). Das ist nur knapp weniger als die Steigerung von 0,9%, die im zweiten Quartal gemessen wurde. Gegenüber dem Vorjahr resultiert im dritten Quartal ein Wirtschaftswachstum von 3%.

Merke: Es kommt nicht immer nur auf die Exporte an.

Den Chart des Tages von Freitag finden Sie hier.

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