Blogs / Momentum / Chart des Tages

Der Chart des Tages

Die Bedeutung der Öl-Investitionen.

Mark Dittli

Der Ölpreis sinkt und sinkt. Seit Mitte Juni hat der Preis für ein Barrel der Sorte Brent fast 30% eingebüsst.

Zu den Leidtragenden des Preiszerfalls zählen Förderstaaten von Venezuela bis Russland (mehr dazu hier).

Doch was bedeutet die Entwicklung für die Kapitalinvestitionen der Unternehmen? Nichts Gutes, leider. Der oben abgebildete Chart von Barclays zeigt das Volumen der Kapitalinvestitionen von sechs verschiedenen Branchen in den USA. Die Zeitskala ist etwas unübersichtlich; die Daten reichen bis ins Jahr 1991 zurück.

Die dicke dunkelblaue Kurve zeigt die Kapitalinvestitionen des Energiesektors. Mit rund 220 Mrd. $ stellt er die mit Abstand grössten Kapitalinvestitionen in der US-Wirtschaft.

Die Sektoren Stromversorger (UTL, dicke graue Kurve), Technologie (TEC, dünne graue Kurve) und Konsumgüter (DIS, dünne blaue Kurve) sind je für bloss rund 80 Mrd. $ an Kapitalinvestitionen verantwortlich (der Konsumgütersektor umfasst in dieser Definition auch die Autoindustrie).

Der Industriesektor (IND) folgt an fünfter Stelle, Telecom (TEL) bildet das Schlusslicht mit aktuell etwas weniger als 50 Mrd. $ an Kapitalinvestitionen.

Eindrücklich ist der Verlauf der Kurven: Der Energiesektor bewegte sich bis zum Jahr 2005 weitgehend stabil. Danach folgte ein rasanter Anstieg, der durch die Rezession von 2008/09 nur kurz unterbrochen wurde. Die Erklärung für diesen Anstieg der Investitionen liegt im Fracking-Boom, der Extraktion von Öl und Gas aus Schiefergestein in den USA.

Was bedeutet nun der Ölpreiszerfall für die amerikanische Energieindustrie?

Die Analysten von Barclays rechnen vor, dass der US-Energiesektor heute einen jährlichen Cashflow von gut 240 Mrd. $ erzielt. Ein 20%-Rückgang im Ölpreis wird diesen Cashflow um rund 50 Mrd. $ verringern. Als Folge davon steht weniger Kapital für neue Investitionsprojekte zur Verfügung.

Die Barclays-Analysten prognostizieren, dass die Kapitalinvestitionen der US-Energiekonzerne als Folge des Ölpreiszerfalls um 40 Mrd. $ sinken werden, was Zulieferer – dazu zählen übrigens auch Schweizer Unternehmen wie Transocean und Sulzer – hart treffen wird.

Für die Gesamtwirtschaft resultiert allerdings dennoch ein positiver Effekt: Sinkende Preise für Benzin und Heizöl werden dafür sorgen, dass den US-Konsumenten mehr Geld für andere Ausgaben bleibt. Gemäss Berechnungen der Barclays-Analysten werden die Konsumausgaben in den USA daher um 70 Mrd. $ pro Jahr steigen.

Den Chart des Tages von Donnerstag finden Sie hier.

Leser-Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.