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Der Chart des Tages

QE tut Aktien gut: Das wird auch für die EZB gelten.

Andreas Neinhaus

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat letzte Woche alle Zweifel beseitigt: Sie wird in den kommenden zwei Jahren massiv Geld schöpfen. Der Zentralbankrat hat einstimmig beschlossen, dass die Bilanzsumme des Instituts auf 3 Bio. € anschwellen soll. Das ist quantitative Lockerung in Reinkultur, im Finanzjargon QE genannt für Quantitative Easing.

Der Chart, den das Researchteam der Bank UniCredit veröffentlicht hat, zeigt am Beispiel der USA, was QE vor allem bewirkt.

Die Ausweitung der US-Notenbankbilanz (im Chart: die mit BS bezeichnete rote Linie, rechte Skala) beflügelte in erster Linie den Aktienmarkt (Equity, schwarze Linie). Die Aktienperformance bewegte sich fast identisch mit der zusätzlich von der Zentralbank (Fed) geschaffenen Liquidität. Dagegen bewegte sich der Ertrag der US-Staatsanleihen weit weniger spektakulär. Er verlief seitwärts. Die Werte im Chart sind indexiert.

Eigentlich sollte QE umgekehrt wirken: Vor allem sollte es die Zinsen am Kapitalmarkt nach unten drücken. Die Notenbank kann die Marktzinsen auf andere Weise nicht mehr beeinflussen, sobald die von ihr direkt gesteuerten Leitzinsen auf null stehen. Die EZB fügt zur Erklärung ihrer QE-Offensive hinzu, dass sie nur Schuldtitel und Kreditinstrumente aufkauft, die dann auch die Kreditvergabe von Banken an Unternehmen forcieren sollen.

Die Realität ist – leider – eine andere. Sowohl in den USA als auch in Japan befeuerte QE vor allem Aktien und riskante Anlagen wie Unternehmensanleihen. Die EZB kann gerne den Gegenbeweis antreten, dass diesmal alles anders sein wird. Die Märkte setzen derweil lieber auf die im Ausland gesammelte Erfahrung mit QE der letzten Jahre.

Den Chart des Tages von Freitag finden Sie hier.

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