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Der Chart des Tages

Die Mutter aller Sünden.

Mark Dittli

Der Dollar wird immer stärker. Seit Mitte Jahr hat die US-Währung handelsgewichtet rund 12% an Wert gewonnen.

Das ist ein Problem, und dies aus zwei Gründen.

Erstens haben zahlreiche Schwellenländer – das prominenteste Beispiel ist China – ihre eigene Währung mehr oder minder explizit an den Dollar gebunden. Wenn der Greenback sich nun aufwertet, kommt das für die betreffenden Länder einer restriktiveren Geldpolitik gleich (in diesem Interview erklärt der Finanzmarktstratege Russell Napier das Konzept im Detail).

Der zweite Grund ist noch etwas simpler: Zahlreiche Länder und Unternehmen, für die der Dollar nicht die Heimwährung ist, haben sich in den vergangenen Jahren in grossem Ausmass in der US-Währung verschuldet. Steigt der Dollar nun, steigt für diese Schuldner auch der reale Wert ihrer Verpflichtung.

Die oben abgebildete Grafik stammt von Hyun Son Shin, der als Ökonom für die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) arbeitet. Sie zeigt das Gesamtvolumen der in Dollar denominierten Kredite (Verpflichtungen von Banken sind nicht berücksichtigt), die an Schuldner ausserhalb der USA ausgegeben wurden.

Die orange Fläche (rechte Skala) zeigt das Gesamtvolumen: Es beträgt derzeit rund 9000 Mrd. $. Anfang 2009 waren es erst 6000 Mrd. $.

Die Kurven zeigen, wohin der grösste Teil dieser Kredite geflossen ist. Eine Region sticht heraus: Emerging Markets (violette Kurve, linke Skala).

Das Volumen der in Dollar aufgenommenen Schulden in den Schwellenländern hat sich seit der Finanzkrise von 2008/09 verdoppelt: von 2000 auf aktuell 4000 Mrd. $.

Die Gefahr steigt, dass mit einem weiter anziehenden Dollar mehr und mehr Schuldner in Emerging Markets Mühe bekunden werden, sich zu refinanzieren. Ein aktuelles Beispiel ist Russland, wo der Rubel seit Anfang Jahr 40% eingebrochen ist: Am Bondmarkt kursiert die Sorge, dass russische Unternehmen nicht fähig sein werden, ihre Fremdwährungsschulden zu bedienen.

Auch in Franken ausgegebene Russlandanleihen sind davon betroffen (hier mehr dazu).

Vielleicht ist Russland erst der Anfang. Denn wieder zeigt sich, welches die grösste Sünde für jeden Schuldner ist: Nimm niemals einen Kredit in einer fremden Währung auf.

Den Chart des Tages von Donnerstag finden Sie hier.