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Der Chart des Tages

Timing ist alles: Was beim nächsten Fed-Entscheid auf dem Spiel steht.

Christoph Gisiger, New York

Keine andere Institution hat mehr Einfluss auf die Finanzmärkte als das Federal Reserve. Entsprechend viel steht auf dem Spiel, wenn die amerikanische Notenbank dieses Jahr tatsächlich Ernst macht und erstmals seit der Finanzkrise den Leitzins erhöht. Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend sehen viele Investoren deshalb der kommenden Fed-Sitzung von Mitte März entgegen, wenn die US-Währungshüter ihren geldpolitischen Fahrplan aktualisieren.

Für den Ausstieg aus der Nullzinspolitik brauchen Fed-Chefin Janet Yellen und ihre Kollegen ein gutes Gespür für den richtigen Moment. Drehen sie zu früh an der Schraube, könnte das die Erholung der US-Wirtschaft empfindlich bremsen und im schlimmsten Fall sogar eine Rezession auslösen. Diesen Fehler hat das Fed 1937 während der Grossen Depression schon einmal gemacht.

Wartet das Fed hingegen zu lange, wächst die Gefahr einer neuen Spekulationsblase, wie zuletzt am US-Häusermarkt. Auch könnte sich der Arbeitsmarkt überhitzen. Seit der Rezession hat sich die Arbeitslosenquote bereits von 10 auf 5,7% verringert und bewegt sich damit in Sichtweite der 5,2 bis 5,5%, die das Fed als Niveau bei Vollbeschäftigung erachtet.

Vor diesem Hintergrund kommt eine neue Studie der Fed-Distriktnotenbank von San Francisco zu einem wenig ermutigenden Ergebnis. Wie der Chart zeigt, hat die US-Notenbank das Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren stets überschätzt und musste ihre Prognose meist deutlich nach unten korrigieren. (Die grauen Balken stellen die Performance des S&P 500 (SP500 2854.88 1.09%) während jeweils der letzten zwölf Monate dar.)

Warum die Währungshüter dermassen danebenlagen, ist schwierig zu sagen. «Mögliche Erklärungen für dieses Muster sind das Verpassen von Warnsignalen mit Blick auf Ungleichgewichte vor der Finanzkrise, die Überschätzung der Wirkungskraft der Geldpolitik während einer Bilanzrezession und die naturgemässe Tendenz von Wirtschaftsprognostikern, Daten aus der jüngeren Vergangenheit zu extrapolieren», heisst es in der Studie.

Damit fragt sich: Wie gut stehen wohl die Chancen, dass Fed-Chefin Yellen das richtige Timing erwischt?

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