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Der Chart des Tages

Droht ein Gewinneinbruch in den USA?

Tommaso Manzin

Wer sich fragt, wie lange die Hausse an der US-Börse weitergehen mag und ob die Unternehmensgewinne die Bewertungsexpansion rechtfertigen, dem könnte ein Blick in die Vergangenheit vielleicht die Augen öffnen – oder besser: aufreissen.

In den USA, dem weltweit grössten Aktienmarkt, ist der Unternehmensgewinn pro Aktie (Earning per Share, EPS) seit 1970 jedes Mal eingebrochen, wenn der Dollar deutlich zulegte (vgl. Grafik). Der Greenback notiert derzeit rund 25% höher als noch vor einem Jahr (gemessen an einem Dollarindex). Bank of America (BAC 30.03 0%) Merrill Lynch (BoAML) hat errechnet, dass dies jeweils mit einem EPS-Rückgang von 10% einherging. 1974, 1981, 1989 und 2000 fiel der Rückgang zusätzlich zusammen mit einer Straffung der Geldpolitik durch das Fed. Wie die Analysten von BoAML zu bedenken geben, ist es bei dem nach wie vor geltenden Nullzinsniveau klar, dass die Zinsen scharf nach oben korrigieren werden.

Eigentlich wäre die derzeitige Konstellation mit Dollarstärke und drohender Zinsanhebung mehr als ein Hinweis auf einen bevorstehenden Einbruch der Unternehmensgewinne. BoAML führt zudem weitere Bedenken an: Die Dollarstärke sei ein Zeichen systemischer Risiken und der daraus folgenden Flucht in den sicheren Dollarhafen.

Und doch: Die US-Grossbank hält dem eigenen Gedankenspiel entgegen, dass die expansive Geldpolitik der vergangenen Jahre weltweit beispiellos gewesen sei. Die Befürchtungen der Anleger hätten sich in Luft aufgelöst. Ausserdem erwartet die Bank, dass das Fed die Zinsen nur graduell anheben wird. Anzeichen für einen Zinsschock, den das US-Institut als Katalysator für einen Einbruch bei den Unternehmensgewinnen als notwendig erachtet, seien weit und breit nicht zu sehen.

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