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Der Chart des Tages

Wie China andere Märkte ansteckt.

Peter Rohner

Die Angst vor einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft treibt die Anleger um. Für Unbehagen sorgt auch das nahende Ende der Nullzinspolitik der US-Notenbank. Alberto Gallo und sein Team von Makro- und Kreditanalysten bei RBS haben schematisch dargestellt, wie die beiden aktuell dominanten ökonomischen Trends – eine Erholung (in der Grafik: recovery) in den USA und eine Abkühlung (slow down) in China – das Schicksal ganzer Volkswirtschaften und Märkte bestimmen.

Die Wachstumsverlangsamung in China wirkt sich laut RBS über zwei Kanäle auf andere Länder und Unternehmen und deren Kreditwürdigkeit aus. Da die Rohstoffpreise (commodity prices) tendenziell fallen, leiden Rohstoffexporteure. Besonders exponiert sind Russland, Südafrika und Australien. Das bedeutet, dass weniger Petrodollars zur Verfügung stehen, die in festverzinsliche Dollarpapiere investiert werden. RBS ist deshalb der Meinung, dass auch Unternehmensanleihen in den USA unter Druck kommen werden.

Der andere Ansteckungskanal ist der Aussenhandel. Eine allgemein schwächere chinesische Nachfrage zusammen mit der Abwertung des Renminbis bekommen vor allem jene Länder und Sektoren zu spüren, die einen hohen Anteil ihrer Waren ins Reich der Mitte exportieren (Chinese export exposure). RBS nennt als Verlierer wiederum Australien, aber auch die deutsche Autoindustrie, die europäische Luxusgüterbranche sowie die Schwellenländer Brasilien und Chile.

Die Erholung der US-Wirtschaft hat zwei Effekte: tendenziell höhere US-Zinsen und einen stärkeren Dollar bzw. eine Abwertung der Lokalwährungen. Das bedeutet Kapitalabfluss aus Hochzinsländern und eine Explosion der Dollarschulden. Länder und Staaten, die einen hohen Anteil Dollarschulden (high proportion of $ debt) haben, sind besonders exponiert. Die Sünder sind schnell gefunden: chinesische Immobilienentwickler, Russland, Argentinien und Indonesien.

Bei den Unternehmen fallen Gazprom (Gazprom 1.10 -46.60%), Cnooc, Vale (CVLC 13.48 -0.01%), Lukoil und Petrobras (PJXB 6.46 -2.17%) auf. Bei ihnen lautet mehr als die Hälfte der Schulden auf Dollar oder Euro.