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Der Chart des Tages

Gezeitenwende bei den Zentralbankreserven.

Peter Rohner

Bei den globalen Devisenreserven zeichnet sich eine Trendwende ab, die zu einem Anstieg der globalen Anleihenrenditen führen könnte.

Nach zwei Jahrzehnten fast ununterbrochenen Wachstums hat der globale Kuchen an Fremdwährungsreserven vor rund einem Jahr die maximale Grösse von umgerechnet 12 Bio. $ erreicht. Seither schrumpft er. Das veranschaulicht die Grafik der Deutschen Bank sehr eindrücklich.

Ebenfalls sichtbar ist, weshalb die Reservenakkumulation zu Ende ist: Chinas Devisenbestände, die 30% der globalen Fremdwährungsreserven ausmachen, haben am stärksten abgenommen. Weniger gut sichtbar ist der Rückgang der Fremdwährungsreserven der erdölexportierenden Länder.

Laut den Analysten der Deutschen Bank gibt es mehrere Gründe für den Devisenreservenrückgang. Schrumpfende Leistungsbilanzüberschüsse in den Schwellenländern, Chinas wirtschaftliche Abkühlung und die Umkehr der Kapitalflüsse sind die wichtigsten. Ein Teil des Rückgangs der Devisenreserven kommt auch vom steigenden Wert des Dollars: Reserven, die in anderen Währungen als dem Dollar gehalten werden, sind nun weniger wert.

Der fallende Erdölpreis habe zudem dazu geführt, dass weniger Petrodollar rezykliert werden müssten. Ausserhalb der Schwellenländer sei der Trend gebrochen, da für die Bank of Japan und die Schweizerische Nationalbank Interventionen am Devisenmarkt nicht mehr das geldpolitische Instrument erster Wahl seien.

Was hat die Gezeitenwende für Implikationen? Devisenreserven werden in der Regel in sichere, festverzinsliche Hartwährungsanleihen angelegt. Mit dem Ende der Akkumulation fehlt eine Käufergruppe an diesem Markt. Deutsche Bank (DBK 8.05 -3.19%) erwartet, dass das zu einem Zinsanstieg bei den US-Anleihen führt. Sie zitiert Studien, wonach die Reservenkäufe der Zentralbanken die Bund- und die Treasury-Renditen in der Vergangenheit um 1 Prozentpunkt reduziert haben. Ein steiler Zinsanstieg sei jedoch unwahrscheinlich, da die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan nach wie vor genügend Anleihen kauften.

Das Ende der Devisenakkumulation habe jedoch eine geldpolitisch restriktive Wirkung. Es dürfte die Zentralbanken von einem allzu raschen Ausstieg aus der unkonventionellen Geldpolitik abhalten.