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Der Chart des Tages

Rebellion im Federal Reserve?

Christoph Gisiger, New York

Im Federal Reserve ist Feuer unter dem Dach. Seit Monaten ringt der Vorsitz der mächtigsten Zentralbank um die Frage, wann er den Leitzins erstmals seit der Finanzkrise erhöhen soll. Nachdem die Währungshüter Mitte September damit gezaudert haben, rechnen die meisten Ökonomen nun damit, dass es Ende Jahr so weit sein wird.

Notenbankpräsidentin Janet Yellen hat ihre Absicht zu einem Zinsschritt bis spätestens zur Fed-Sitzung von Mitte Dezember zuletzt zwar deutlich bekräftigt. In den vergangenen Tagen haben mit Lael Brainard und Daniel Tarullo jedoch gleich zwei wichtige Exponenten aus dem Fed-Vorsitz für ein längeres Zuwarten plädiert.

Das überrascht, denn es könnte darauf hindeuten, dass Yellen in ihrem engsten Gefolge den Rückhalt verliert. Anders als die Präsidenten der regionalen Distriktnotenbanken, die nicht selten auf ihre eigene Meinung pochen, zählen Brainard und Tarullo zu den fünf Fed-Gouverneuren, die in der Regel geschlossen hinter der Fed-Spitze stehen.

«Im besten Fall kommuniziert die US-Notenbank einfach schlecht nach aussen. Im schlimmsten Fall hingegen könnte Yellen auch die Unterstützung der anderen Fed-Gouverneure verlieren», meint dazu Marktstratege Jim Bianco von Bianco Research.

An den Märkten sorgen die widersprüchlichen Signale aus dem inneren Zirkel des Fed für weitere Zweifel an Yellens Glaubwürdigkeit. Ohnehin hat diese bereits deutlich gelitten. Wie der obige Chart zeigt, halten Investoren an den Terminbörsen in Chicago eine Zinserhöhung im Oktober praktisch für ausgeschlossen und schätzen die Chance für Dezember auf lediglich 30% ein.

Und es kommt noch dicker: Gemäss dem Zinsbarometer der Futures-Börse CME Group beträgt nun selbst die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinsanhebung erst an dem in weiter Ferne liegenden Fed-Treffen Mitte März nur noch 50%.

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