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Der Chart des Tages

Nadelöhr Bundesanleihen.

Tina Haldner

Deutsche Staatsanleihen (Bunds) sind Mangelware. Das gilt zumindest aus Sicht der Europäischen Zentralbank (EZB): Sie dürfte bald keine Bunds mehr finden, die die Bedingungen ihres Anleihenkaufprogramms (Quantitative Easing, QE) erfüllen.

Die EZB kauft derzeit monatlich Anleihen im Wert von 80 Mrd. €, der Grossteil entfällt auf Staatsobligationen. Die Papiere müssen verschiedene Anforderungen erfüllen, um in das Kaufprogramm aufgenommen zu werden:

  • Länderquote: Die EZB kauft Staatsanleihen gemäss dem Anteil des jeweiligen Staates am Eigenkapital der EZB. Damit entfallen 26% der Käufe auf Deutschland, gefolgt von Frankreich (20%) und Italien (17,5%).
  • Rendite: Der Marktzins der Staatsanleihen darf nicht kleiner sein als der von der EZB festgelegte Einlagensatz. Er liegt derzeit bei –0,4%.
  • Laufzeit: Sie liegt zwischen 2 und 31 Jahren.
  • Kauflimite: Die EZB darf maximal 33% einer Emission und eines Emittenten aufkaufen.

Gemäss dem Länderschlüssel muss die EZB damit am meisten Bunds kaufen. Doch davon sind knapp 60% vom Kaufprogramm ausgeschlossen: Sie rentieren weniger als –0,4% (vgl. schwarze gestrichelte Horizontale). Wie die Grafik von Bantleon verdeutlicht, liegen die Renditen für Bunds mit Laufzeit bis zu sieben Jahren unter dem EZB-Einlagensatz (vgl. gelbe Kurve).

Ausgeschlossen sind auch französische Staatsanleihen mit Laufzeit bis zu fünf Jahren (vgl. blaue Kurve). Das entspricht rund 30% des Universums, schreibt Bantleon. Keine Einschränkungen gibt es hingegen bei Italiens Staatsobligationen: Alle Laufzeiten rentieren über –0,4% (vgl. grüne Kurve).

Die Analysten von Bantleon schätzen, dass die EZB ab Anfang 2017 keine geeigneten Bunds mehr finden wird – ausser, sie passt die Rahmenbedingungen des QE an. Die Strategen erachten die Aufhebung der Renditegrenze als wirksamste Massnahme, um das Bund-Universum auszuweiten. Wird sie aufgehoben, verdoppelt sich das potenzielle Kaufvolumen von 200 auf 400 Mrd. €.

Einen Hinweis auf das weitere Vorgehen könnte EZB-Präsident Mario Draghi an der nächsten geldpolitischen Sitzung im September geben.

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