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Der Chart des Tages

Altlasten verstopfen Italiens Bankbilanzen.

Tina Haldner

Die Schieflage der italienischen Banken hat in den vergangenen Wochen und Monaten für Nervosität im gesamten europäischen Finanzsystem gesorgt.

Die Ursache für die prekäre Situation von Italiens Finanzhäusern ist in den Bilanzen zu finden: Faule Kredite im Volumen von rund 360 Mrd. € türmen sich in den Büchern.

Das Problem liesse sich mit frischem Kapital beheben. Gemäss Schätzungen entsteht den italienischen Banken eine Kapitallücke von 40 Mrd. €, sollten sie die maroden Darlehen abschreiben. 

Der Betrag ist im europäischen Vergleich überschaubar. Die Grafik verdeutlicht, wie viel Geld Europas Regierungen nach Ausbruch der Finanzkrise ausgegeben haben, um den Finanzsektor zu stabilisieren (blaue Balken).

Den grössten Betrag haben demnach die Banken in Deutschland erhalten. Mehr als 60 Mrd. € an Staatshilfe sind ihnen seit 2008 zugeflossen. Auf den weiteren Rängen folgen Irland und Spanien.

Italien hat es damals versäumt, den Bankensektor mit frischem Kapital auszustatten. Die knapp 10 Mrd. € an Finanzhilfe liegen weit unter dem europäischen Durchschnitt (schwarze Horizontale). Selbst wenn die Regierung nun einspringt, bleibt die staatliche Finanzspritze hinter den Top drei in Europa zurück (schraffierte Fläche).

Dennoch ist die Frage nach einer staatlichen Liquiditätsspritze für Italiens Banken zum Politikum in Europa geworden. Denn seit Januar 2016 dürfen die Regierungen ihre Finanzinstitute nur dann finanziell unterstützen, wenn sich auch Gläubiger an den Kosten beteiligen (Bail-in).

Das will Italiens Premier Matteo Renzi aber unbedingt vermeiden. Denn ein Grossteil der Bankanleihen ist im Besitz italienischer Kleinsparer. Sie zu vergraulen, kann sich Renzi nicht leisten: Spätestens im Dezember steht in Italien ein Referendum zur Parlamentsreform an. An ihr Gelingen hat der Premier sein politisches Überleben geknüpft.

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