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Der Chart des Tages

Die Qualitätsblase.

Sandro Rosa

Natürlich kostet ein schottischer Rauchlachs aus der Globus Delicatessa deutlich mehr als ein M-Budget-Brötlilachs. Denn für gute Qualität greifen Konsumenten gerne etwas tiefer ins Portemonnaie. Dasselbe gilt für Anleger. Auch sie sind bereit, Qualitätsunternehmen zu höheren Bewertungen – sprich höheren Kurs-Gewinn- oder Kurs-Buchwert-Verhältnissen – zu kaufen.

Verspricht ein Unternehmen Wachstum, wird das ebenfalls mit einer höheren Bewertung honoriert. Unternehmen mit (vermeintlich) schwierigen Geschäftsaussichten und/oder aus unbeliebten Branchen werden von Investoren gerne abgestraft (Value-Aktien).

So handelt der Riechstoffhersteller Givaudan (GIVN 2770 -0.18%), dem die Anleger viel zutrauen, auf einem sportlichen KGV von rund 28, während die verschmähten Versicherer Swiss Life (SLHN 484.2 -0.19%) und Swiss Re (SREN 102.25 -0.34%) auf Werte von unter 10 kommen.

So weit, so gut. Öffnet sich die Bewertungsschere jedoch allzu weit, sollten Anleger reagieren. Wenn Growth-Aktien, die im langfristigen Durchschnitt rund doppelt so teuer sind wie Value, nun zum 2,5- bis 3-fachen Preis gehandelt werden, scheint ein Umschichten angezeigt.

Die Analysten von Barclays (BARC 150.3 0.05%) haben die Bewertungen für die drei Anlagestile Value, Growth und Qualität zur besseren Vergleichbarkeit normalisiert. Damit wird der Erfahrung Rechnung getragen, dass eben Qualität in der Regel einen Aufschlag verdient, während Value zu einem Abschlag gehandelt wird.

Wie der Chart des Tages zeigt, leuchten vor allem bei den Qualitätstiteln die Warnlampen auf. Ihre Bewertungen liegen rund 1,5 Standardabweichungen über dem langfristigen Mittelwert. Mit anderen Worten: Der typische Bewertungsaufschlag hat sich massiv vergrössert. Anders präsentiert sich die Lage bei den Value-Titeln. Sie werden praktisch im Sonderverkauf angeboten. Die Wachstumswerte handeln auf ihrem langfristigen Durchschnitt.

Für die Experten ist deshalb klar: In Value locken Chancen, Qualitätstitel sind zunehmend gefährdet.

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