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Der Chart des Tages

Herzlichen Glückwunsch, irrationaler Überschwang!

Sandro Rosa

Die Wortschöpfung ist in die Finanzgeschichte eingegangen: irrationaler Überschwang. Kreiert hatte sie der damalige Notenbankchef Alan Greenspan vor genau zwanzig Jahren, am 5. Dezember 1996.

«Wie wissen wir, wann Vermögenswerte durch irrationalen Überschwang übermässig aufgebläht werden?», fragte er seine Zuhörer in einer Rede vor dem American Enterprise Institute.

Anlass zu seiner Besorgnis gab eine Studie der beiden US-Ökonomen John Campbell und Robert Shiller, die sie wenige Tage zuvor dem Notenbankdirektorium präsentiert hatten. Darin kamen sie zum Schluss, US-Aktien seien gemessen am S&P 500 (SP500 3005.68 0.26%) Index massiv überbewertet.

Unter anderem betrachteten sie das zyklisch adjustierte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das den aktuellen Preis eines Index mit den durchschnittlichen inflationsbereinigten Gewinnen der vergangenen zehn Jahre vergleicht. Das heute besser als Shiller-KGV bekannte Mass notierte damals so hoch wie zuletzt in den Dreissigerjahren – auf mehr als 27.

Die Börsen kümmerte die hohe Bewertung freilich wenig. Von Ende 1996 bis Frühling 2000 vervierfachte sich der Nasdaq Composite Index, der die wichtigsten Technologieaktien umfasst, von 1300 auf 5048 Punkte.

Und wo stehen wir heute? Wie der obige Chart zeigt, handelt der S&P 500 zum zwanzigsten Jubiläum der «Überschwang»-Rede praktisch auf dem gleichen Shiller-KGV von rund 27. Wiederholt sich die Geschichte, steht den Aktieninvestoren das Beste noch bevor.

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