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Der Chart des Tages

Build, Baby, build!

Mark Dittli

Quelle: Credit Suisse (CSGN 6.97 +3.20%)

Gespannt und besorgt blicken derzeit viele Augen nach China: Die Zeichen einer wirtschaftlichen Abkühlung sind evident, und die Frage steht im Raum, ob es der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt gelingen wird, einigermassen reibungslos von einem von Investitionen getriebenen zu einem vom Konsum getriebenen Wachstumsmodell zu wechseln (mehr zu diesem Rebalancing in diesem Kommentar von Michael Pettis).

Schön wär’s, wenn es gelingt. Die Sache hat nur einen Haken: Chinas Wirtschaft ist in historisch einmaligem Ausmass von Investitionen (vorab in Infrastrukturbauten) getrieben. Wie der oben abgebildete Chart zeigt, sind Investitionen mit 48% die Hauptkomponente des chinesischen Bruttoinlandprodukts (schwarze Kurve).

Nun ist oft das Argument zu hören, ein Schwellenland wie China brauche so hohe Investitionen, um seine Infrastruktur (Flughäfen, Bahnlinien, Häfen, Strassen etc.) überhaupt erst aufzubauen. Dieser Kapitalstock lege wiederum die Basis für künftiges Wachstum.

Dieses Argument mag teilweise einleuchten, wenngleich es ausblendet, dass ein Grossteil der Investitionen über Kredit finanziert ist, was die Gefahr von Finanzkrisen erhöht (in diesem Blogbeitrag mehr zur Frage, ob China gegenwärtig seinen «Minsky-Moment» erlebt. Hier auch in sehr lesenswertes Interview mit dem Hedge-Fund-Manager Jim Chanos zu diesem Thema).

Wird das Bild Chinas verglichen mit anderen asiatischen Ländern, die ebenfalls eine rasante Entwicklung durchgemacht haben, zeigt sich rasch, wie einzigartig hoch der Investitionsanteil am chinesischen BIP ist: Japan beispielsweise (schwarze, perforierte Kurve) erlebte nach dem Zweiten Weltkrieg einen enormen Investitionsboom – trotzdem machten Investitionen zum Höhepunkt dieser Entwicklung im Jahr 1973 «nur» 36% des BIP aus.

Auch Korea (graue Kurve) entwickelte sich in den Achtzigerjahren rasch, aber die Investitionen erreichten im Höhepunkt bloss 38% des BIP.

Aufschlussreich ist noch eine zweite Grafik, ebenfalls von Credit Suisse:

Sie zeigt das BIP-Wachstum (rollend über zehn Jahre) des jeweiligen Landes im Jahr des Investitions-Höhepunktes (zweiter Balken von links), zehn Jahre davor (links), zehn Jahre danach (zweiter Balken von rechts) und zwanzig Jahre danach (schwarzer Balken).

Die Grafik zeigt eindrucksvoll, wie Japan (1973) und Korea (1991) zum Höhepunkt ihres Investitionsbooms BIP-Wachstumsraten um 10% erreichten. Zehn und zwanzig Jahre danach waren die Wachstumsraten auf 3 bis 4% geschrumpft.

Wir wissen: Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Investoren sollten sich im Fall von China auf BIP-Wachstumsraten von 3 bis 4% einstellen.

Den Chart des Tages vom Donnerstag finden Sie hier.