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Der Chart des Tages

Wenn die Zinsen steigen...

Mark Dittli

Der Bond- und der Aktienmarkt stehen in einer komplexen, wechselseitigen Beziehung zueinander.

Investoren wägen permanent ab, wie sie ihre Mittel zwischen diesen zwei Anlageklassen allozieren. Oberflächlich betrachtet gilt: Je höher das Renditeniveau am Bondmarkt, desto attraktiver sind Anleihen – und desto eher leidet der Aktienmarkt.

Die Realität ist etwas komplexer, wie die abgebildete Grafik von Bank of America (BAC 31.56 +1.38%) Merrill Lynch zeigt.

Zunächst einige Erklärungen dazu: Die horizontale Achse zeigt das Renditeniveau zehnjähriger US-Staatsanleihen im Betrachtungszeitraum von 1962 bis heute. Die vertikale Achse bildet den in diesem Zeitraum beobachteten Korrelationskoeffizienten zwischen dem Bond- und dem Aktienmarkt ab.

Ein negativer Korrelationskoeffizient bedeutet: Steigende Bondrenditen gehen mit sinkenden Aktienkursen einher.

Ein positiver Korrelationskoeffizient bedeutet: Steigende Bondrenditen gehen mit steigenden Aktienkursen einher.

Wie die Grafik zeigt, sind an den Märkten beide Regimes zu beobachten. Die historische Erfahrung belegt aber, dass ein Renditeniveau um 5% (grüne, vertikale Linie) tendenziell eine wichtige Wegmarke ist: Liegen die Bondrenditen höher als 5% und steigen, dann fallen die Aktienmärkte (unterer rechter Quadrant in der Grafik).

Liegen die Bondrenditen dagegen unter 5%, dann gehen steigende Renditen mit steigenden Aktienkursen einher (oberer linker Quadrant).

Die Strategen von Merrill Lynch haben den Zeitraum von 1962 bis heute in fünf Phasen unterteilt:

  • die «Alte Normalität» von 1962  bis 1972
  • die Jahre der Stagflation von 1972 bis 1982
  • die «Grosse Moderation» von 1983 bis 2008
  • die «Grosse Repression» von 2008 bis heute
  • die Monate des «Taper Tantrum» im Jahr 2013

Besonders eindrücklich ist das Bild in den Jahren nach 2008 (blaue Dreiecke): Die Korrelation zwischen Bondrenditen und Aktienmarkt war nahezu durchweg positiv – mit einer wichtigen Ausnahme: Während der Phase des «Taper Tantrum» im Jahr 2013 (rote Quadrate), als der damalige Fed-Chef Ben Bernanke mit einer Aussage einen heftigen Renditeanstieg am Bondmarkt auslöste, litt der Aktienmarkt.

Was sind die Lehren für das aktuelle Umfeld, mit US-Bondrenditen um 2,4%?

Die historische Erfahrung suggeriert, dass sich auf diesem Niveau steigende Bondrenditen noch nicht nachteilig auf die Aktienmärkte auswirken sollten.

Doch wir wissen: Die Historie wiederholt sich nicht. Sie reimt sich bloss.