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Der chinesische Überwachungsstaat ist schlimm, oder?

Mathias Binswanger

Die Chinesische Wirtschaft funktioniert nach einem kurzen, Corona-bedingten Unterbruch wieder hervorragend. Dies allerdings ohne Demokratie, aber dafür mit staatlicher Wirtschaftssteuerung und Staatseigentum an vielen Unternehmen. Häufig wird deshalb von einer neuen Form von Staatskapitalismus gesprochen. Dieser ist gleichzeitig gekoppelt an eine immer konsequentere Überwachung der Bevölkerung, die mit «Social-Credit-Systemen» zu «richtigem» Verhalten animiert werden soll.

Hinter diesem System steckt die alte, verführerische Idee, über Kontrolle und Steuerung der Menschen Wirtschaft und Gesellschaft in eine erwünschte Richtung lenken zu können. Der Fortschritt in der Digitalisierung hat da ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Dank massenhaft installierten Kameras und durch Zwang, sich für alle Dienstleistungen mit dem Smartphone registrieren zu müssen, lässt sich das Verhalten der Menschen in China bereits jetzt fast lückenlos erfassen. Und bei Fehlverhalten können dann «Korrekturmassnahmen» eingeleitet werden. Doch das ist meist gar nicht nötig. Wissen Menschen erst einmal über ihre Überwachung Bescheid, werden die meisten von selbst brav. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?