Unternehmen / Ausland

Der Chipmangel wird noch eine Weile bleiben

Die Halbleiterbranche kann die Nachfrage schon jetzt nicht bedienen. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht.

Chips finden sich in unserem digitalen Alltag in vielen Geräten: im Computer, in der Spielkonsole, dem Smartphone, den Servern der Online-Videothek, im Fernseher oder im Auto. Umso mehr schmerzt die digitale Gesellschaft der Mangel an Prozessoren. Neue Geräte werden später lanciert, Autohersteller mussten teils schon Fertigungsstrassen stilllegen wegen fehlender Chips. Und die Verknappung sorgt dafür, dass sich die Fronten zwischen den USA und China verhärten: Beide kämpfen um die Vorherrschaft im Chipsektor. Der Standort Europa dazwischen wird zerrieben.

Der aktuelle Mangel hat viele Gründe, zuvorderst die Pandemie. Zum einen sorgt die Coronakrise dafür, dass das eigene Zuhause zum Büro, zur Schule, zur Spielhalle wird – mit der entsprechenden Nachfrage nach Computern, Monitoren, Zusatzgeräten, Tablets und Spielkonsolen. Zum anderen stand während der globalen Lockdowns teils auch die Produktion in Chipfabriken still. Dazu kamen Schneestürme, Erdbeben, das Unglück des Containerschiffs «Ever Given» im Suezkanal. Das alles hat die fragile Lieferkette in der Halbleiterbranche durcheinandergewirbelt.

Keine Bestände auf Lager

Dabei gehören die Zulieferketten im Sektor in normalen Zeiten schon zu den komplexesten. Der wichtigste Rohstoff für Mikrochips ist Silizium, das zwar häufig in der Erde vorkommt, dennoch zu fast zwei Dritteln in China produziert wird. Wegen Problemen in der Stromversorgung dort wurde zuletzt weniger Quarz geschmolzen als benötigt. In mehr als tausend Prozessschritten werden die Siliziumscheiben – Wafer genannt – in den Halbleiterfabriken bearbeitet, was sechs Wochen bis drei Monate dauert. Auf Halde lassen sich die Scheiben nicht produzieren. «Halbleiter – auch wenn man es kaum glauben mag – haben ein Verfallsdatum», erklärte Infineon-CEO Reinhard Ploss kürzlich vor Journalisten. «Irgendwann können wir sie auch aus Qualitätsüberlegungen nicht weiterverwenden. Deswegen legen wir keine endlosen Bestände auf Lager.» Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?