Märkte / Derivate

Der Derivatus

Der Bärenmarkt geht weiter, und sag Nein zu YES.

Der Bärenmarkt ist höchstwahrscheinlich noch nicht zu Ende. Zwar ist die Stimmung der Anleger im Keller, aber sie ziehen kein Geld aus Aktienfonds ab, wie mein Kollege Martin Lüscher in der Mittwochsausgabe geschrieben hat. Das ist noch keine Kapitulation. Ein weiteres Indiz ist der Angstseismograf Wallstreet. Noch nie sei das Tief in einem Bärenmarkt erreicht worden, ohne dass der Volatilitätsindex Vix auf mindestens 45 gestiegen sei, zitierte die Agentur Bloomberg am Freitag einen Börsenbrief.

Der Vix registriert die erwartete Volatilität des S&P 500 und hat einen langfristigen Durchschnittswert von 20. Sein Jahreshoch vom März beträgt 36, am Freitag stand er auf vergleichsweise moderaten 26. Das sieht keineswegs nach Panik aus.

Schon eher sieht es am Optionsmarkt nach Vorsicht aus. Die Call-Put-Ratio auf den Vix ist am Mittwoch so weit in die Höhe gestiegen wie zuletzt zu Beginn der Pandemiekrise im Frühling 2020. Call-Optionen auf den Vix gewinnen an Wert, wenn die Nervosität und damit die Volatilität am Aktienmarkt zunimmt. Somit sind die Calls gut geeignet, um sich gegen fallende Aktienkurse abzusichern.

Dieser Hedge hat im derzeitigen Bärenmarkt jedoch nicht so gut funktioniert wie sonst üblich, weil der Vix weniger heftig gestiegen ist als in früheren Börsenbaissen. Dennoch wurden am Mittwoch an den US-Optionsbörsen 440’000 Vix-Calls gehandelt, fast sechsmal mehr als Vix-Puts.

Auch Volatilitätszertifikate auf den Vix steigen, wenn dieser hinaufschnellt. Beliebt sind die beiden am Nasdaq gehandelten Zertifikate UVXY und VXX. An der SIX Swiss Exchange wird das Faktorzertifikat VIL1SG gehandelt.

Diese Anlageprodukte beziehen sich allerdings nicht auf den Vix selbst, sondern sie haben eine Kaufposition (Long) in Vix-Futures. Das ist nur kurzfristig sinnvoll, denn wenn die Volatilität stagniert, verlieren die Zertifikate laufend an Wert – Stichwort Rollverlust im Contango. VXX hat zwar dieses Jahr 20% gewonnen, seit Anfang 2021 aber insgesamt 70% verloren.

Nicht nur für Anleger mit Volatilitätszertifikaten ist es wichtig, über die Risiken und Nebenwirkungen Bescheid zu wissen. Das gilt auch für Investoren, die ja gesagt haben zum Produkt YES, das UBS ab 2016 in den USA verkauft hat. Weil die Grossbank die Kunden nicht korrekt informierte, bezahlt sie in einem Vergleich mit der US-Aufsichtsbehörde SEC 25 Mio. $. Das ist ein kleiner Betrag, aber eine Art Schuldeingeständnis, nachdem UBS zuerst jegliche Verantwortung abgelehnt hatte.

Das Produkt ist gemäss der sogenannten Iron-Condor-Selling-Strategie aus Calls und Puts zusammengesetzt. Es gewinnt, solange sich der Aktienindex innerhalb von zwei Barrieren bewegt. Das Problem liegt nicht in der Konstruktion, sondern in der Beratung. UBS hat die Risiken des Produkts dokumentiert, aber Kundenberater nicht informiert. Darum klagten Kunden.

YES steht für Yield Enhancement Strategy. So titelt der Bloomberg-Kolumnist Matt Levine vergangene Woche: «Say No to Yes».

Der ganze Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Abonnieren Bereits abonniert?

Leser-Kommentare