Märkte / Derivatus

Der Derivatus vom 30. Januar 2021

Sind Leerverkäufer schlechte Menschen?

Lieber Anleger

«Power to the Players», lautet der Slogan von GameStop, und er passt gut zum Kampf der rebellischen Retail-­Anleger gegen die etablierten Hedge Funds. Ein Aspekt ist die Kritik am Leerverkauf von Aktien. Sie kommt immer wieder auf.

Anleger gehen Verkaufspositionen ein (Short), um ihr Portefeuille abzusichern, oder um von fallenden Kursen zu profitieren. Letzteres wird oft bemängelt, solche ungedeckten Leerverkäufe (Naked Shorts) dienten einzig zur Spekulation, seien unmoralisch und gehörten verboten. Gedeckte Leerverkäufe werden eher als legitim erachtet.

In der Eurokrise ab Frühling 2010, als es für Griechenland eng wurde, kam heftige Kritik auf. Damals orteten europäische Behörden einen Angriff gegen die Währungsunion. Mittel dazu seien Kreditversicherungen (Credit Default Swaps, CDS), mit denen auf einen Zahlungsausfall (Default) von Staaten gewettet werde. Käufer solcher CDS waren aber nicht nur Spekulanten, die etwa auf eine schlechtere Bonität Griechenlands setzten, sondern auch Besitzer von Obligationen griechischer Banken, auf die es keine CDS gab. Zudem setzten spekulative Anleger zwar durchaus auf eine Staatspleite, andere aber auf eine europäische Rettungsaktion mit abnehmenden Risikoprämien für die Anleihen der Peripherieländer. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?