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Der Dispobestand entscheidet – erst recht bei Clariant

Der Anteil nicht eingetragener Aktien beeinflusst die Machtverhältnisse an einer GV erheblich. Für Clariant kann das entscheidend sein.

Aktionäre können in ihren Unternehmen nur mitreden, wenn sie ihre Namenaktien eintragen lassen. Kein Eintrag im Aktienbuch, kein Stimmrecht. Im Fall des Spezialchemiekonzerns Clariant (CLN 17.79 0.94%) kann das elementar werden. Er hatte per Ende Juni einen Dispobestand – einen Anteil nicht eingetragener Namenaktien – von 40,6%. Auf dieser Basis wären nur knapp 60% der ausstehenden Aktien stimmberechtigt. Das ist wenig, unter den Mitgliedern des Swiss Leader Index SLI aber nicht ungewöhnlich.

Der Dispobestand entscheidet massgeblich über die Machtverhältnisse an einer Generalversammlung. Je höher er ist, desto grösser wird das Gewicht der eingetragenen Titel. Sind nur 60% stimmberechtigt, und sind sie alle an der GV vertreten, reicht die Hälfte – 30% der ausstehenden Titel – für ein einfaches Mehr. Sind nicht alle der stimmberechtigen Aktien an der GV präsent, liegt die Latte für eine Mehrheit noch niedriger.

An der a. o. GV von Clariant zur Fusion mit Huntsman werden die Verhältnisse noch extremer sein: Für grünes Licht braucht es ein Zweidrittelmehr – auf Basis der vertretenen Stimmen (brieflich oder vor Ort) aus eingetragenen Aktien.

Das bedeutet, mit dem Dispobestand von Ende Juni reichen 20% der ausstehenden Aktien, sofern eingetragen, um das Vorhaben zu bodigen (ein Drittel der stimmberechtigten 60%). Da können die Halter der anderen 80% – die restlichen registrierten und die 40% nicht registrierten Aktien – noch lange dafür sein. Auf die wichtige Abstimmung hin dürfte der Dispobestand freilich noch sinken, sodass es entsprechend mehr Stimmen braucht, um den Plan zu durchkreuzen.

Doch der aktivistische Aktionär White Tale, der sich gegen die Fusion in der geplanten Form ausspricht, hält bereits 15,1% an Clariant. Er wird den Eintrag nicht versäumen. Sollte die Fusion scheitern, darf aber niemand mit dem Finger auf ihn zeigen. Es sind die nicht eingetragenen Namenaktien, die das Gewicht verschieben und so die Aktionärsdemokratie schwächen. Ein Eintrag kann über die depotführende Bank mit einem entsprechenden Gesuch veranlasst werden.