Meinungen

Draghi-Put der EZB und seine Folgen für die SNB

Mit der Änderung der Forward Guidance hilft die EZB der Konjunktur in der Eurozone, erschwert der SNB jedoch die Arbeit. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Andreas Neinhaus.

«Auf den Powell-Put, der in den USA im Januar ausgesprochen wurde, folgt nun ein Draghi-Put für die Eurozone.»

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat an ihrer heutigen Sitzung Zinserhöhungen auf die lange Bank geschoben. Die Leitzinsen werden mindestens bis Ende 2019 auf dem jetzigen Niveau bleiben, teilte sie am Donnerstag mit. Sie verschob damit die sogenannte Forward Guidance um vier Monate nach vorne. De facto waren die Finanzmärkte schon zuvor von diesem Szenario ausgegangen, denn am Terminmarkt wurde ein erster Zinsschritt erst für Anfang 2020 eingepreist. Dennoch kam die offizielle Änderung überraschend.

Denn die EZB bestätigt damit, über den Verlauf der Konjunktur in der Eurozone beunruhigt zu sein. Sie will deshalb auf keinen Fall Bedingungen schaffen, die wie ein Liquiditätsentzug aussehen könnten, zu sehr fürchten sich die Notenbanker vor einem Kurseinbruch wie gegen Ende des letzten Jahres. Auf den Powell-Put, der in den USA im Januar ausgesprochen wurde, folgt nun also ein Draghi-Put für die Eurozone.

Obendrein wird die EZB auch neue Liquiditätskredite (TLTRO) für Banken bereitstellen. Auch hier hat sie die Erwartungen übertroffen. Die bisherigen TLTRO laufen bald aus und müssen rechtzeitig durch neue ersetzt werden, damit in der Eurozone nicht ungewollt Liquidität abgeschöpft wird. Dass die EZB aber gleich eine neue Serie von TLTRO ankündigt, die vierteljährlich ab September 2019 bis März 2021 aufgelegt wird, ist fern aller Prognosen. Auch hier geht sie auf Nummer sicher. Sie garantiert weiterhin sehr grosszügige finanzielle Bedingungen für die Banken – und damit für die europäische Wirtschaft.

Implizit bedeuten die Ankündigungen, dass nicht mit einem baldigen Ende der Minuszinsen zu rechnen ist. Das ist erstaunlich, wirken sie doch für die Eurozone überholt. Die EZB versetzt damit auch die Schweizerische Nationalbank (SNB (SNBN 5260 0.57%)) in eine schwierige Ausgangslage für ihre geldpolitische Lagebeurteilung, die in zwei Wochen stattfindet.

Kann die SNB der Schweizer Wirtschaft noch bis zum Sanktnimmerleinstag die schärfsten Negativzinsen weltweit zumuten? Oder muss sie nicht doch über die Möglichkeit nachdenken, den Leitzins, der auf –0,75% fixiert ist, nach oben zu korrigieren, bevor die EZB ihrerseits den ersten Schritt macht? Bisher scheute sie sich davor, weil sie die Zinsdifferenz nicht verringern wollte aus Furcht, der Franken werde sich übermässig aufwerten.

An ihrer März-Sitzung müssen die Schweizer Währungshüter auf diese Frage eine Antwort finden. Die EZB hat für sich bereits entschieden: Die Zinsen möglichst tief zu halten, geht allem anderen vor.

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