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Der E-Auto-Schwindel: Warum die EU ihre Verordnung revidieren muss

E-Autos emittieren in erheblichem Umfang CO2. Nur liegt der Auspuff im Kraftwerk. Ein Kommentar von Hans-Werner Sinn.

Hans-Werner Sinn
«Die Verordnung zum Flottenverbrauch bringt dem Klima nichts, vernichtet Arbeitsplätze, kostet Wachstum und vergrössert das Misstrauen der Bürger gegenüber einer als immer undurchsichtiger empfundenen EU-Bürokratie.»

Deutschlands Automobilindustrie, die wichtigste Industrie des Landes überhaupt, befindet sich in einer tiefen Krise. Die Automobilindustrie leidet nicht nur unter einer deutlichen Rezession, weil ihre eigenen Schummeleien dazu geführt haben, dass sich Anwender abgewendet haben, sondern sie ist wegen überaus scharfer Auflagen der EU, die nur scheinbar umweltpolitisch begründbar sind,  in eine langwährende Existenzkrise geraten.

Tatsächlich hat die EU mit ihrer CO2-Verordnung vom 17. April 2019 den Bogen überspannt. Ab 2030 soll die Fahrzeugflotte eines jeden Herstellers nur noch mit einem CO2-Ausstoss von 59 Gramm pro Kilometer zurechtkommen, was 2,2 Liter Dieseläquivalenten pro 100 km entspricht. Das wird nicht möglich sein.

Noch im Jahr 2006 lag der Durchschnittswert aller in der EU zugelassenen PKW bei 161 Gramm. Danach wurden die Autos kleiner und leichter, so dass der Ausstoss bis 2016 auf 118 Gramm fiel. Doch danach stieg der Wert wieder an, weil wieder mehr Benzinmotoren gekauft wurden, die im Fahrbetrieb mehr CO2 ausstossen als Dieselmotoren.

Fragwürdige Formel

Im Jahr 2018 lag der CO2-Wert der neu zugelassenen Autos wieder bei gut 120 Gramm, also dem Doppelten dessen, was langfristig erlaubt ist. Selbst die cleversten Ingenieure werden nicht in der Lage sein, Verbrennungsmotoren mit den vorgegebenen Charakteristika zu bauen, wenn sie ihre Kunden nicht in Seifenkisten zwingen wollen.

Sie sollen es offenbar auch nicht, denn die EU will, dass der Flottenausstoss von Kohlenstoff durch den Bau von Elektroautos gesenkt wird. Dazu unterstellt sie in einer rechtsverbindlichen Rechenformel für den Flottenausstoss, dass E-Autos keinerlei CO2 ausstossen. Wenn also ein Unternehmen zur einen Hälfte Elektroautos produziert und zur anderen Hälfte Verbrenner, die dem derzeitigen Durchschnitt entsprechen, kann der Höchstwert von knapp 60 Gramm pro Kilometer gerade erreicht werden.

Kann das Unternehmen keine Elektroautos herstellen und verharrt es ansonsten beim heutigen durchschnittlichen Energiemix, wird es pro Fahrzeug ca. 6000 Euro Strafe zahlen oder sich mit einem Konkurrenten zusammenschliessen müssen, der E-Autos bauen kann.

Batteriefertigung in China belastet

Tatsächlich ist die Formel der EU nichts als ein grosser Schwindel, denn auch E-Autos emittieren in erheblichem Umfang CO2. Nur liegt der Auspuff ein bisschen weiter entfernt im Kraftwerk. Solange noch Kohle- oder Gaskraftwerke am Netz sind – und sie müssen ja dauerhaft am Netz bleiben, um die Versorgung in den Dunkelflauten beim Wind- und Sonnenstrom zu sichern –, fahren auch E-Autos mit Kohlenstoff. Das tun sie im Übrigen auch schon deshalb, weil bei der Batterieproduktion in China und anderswo in riesigem Umfang fossile Energie eingesetzt wird, was die CO2-Bilanz verhagelt. Insofern ist die Formel der EU eine Mogelpackung, die auch nicht viel besser als eine Abschaltvorrichtung ist.

Der Autor dieser Zeilen hat im Frühjahr mit dem Physikprofessor Christoph Buchal aus Jülich eine Studie veröffentlicht, nach der das E-Auto beim deutschen Energiemix etwas mehr CO2 ausstösst als ein moderner Diesel, obwohl seine Batterie kaum mehr als die Hälfte der Reichweite des Dieseltanks hat. Auch Volkswagen hat mit kurz danach veröffentlichten Daten bestätigt, dass der E-Golf beim deutschen Energiemix einen etwas höheren CO2-Ausstoss als ein Diesel-Golf hat. (Nur beim europäischen Energiemix mit viel französischem Atomstrom schneidet der E-Golf besser ab.) Und nun hat das österreichische Forschungsinstitut Joanneum Research für den österreichischen Automobilclub ÖAMTC und sein deutsches Pendant ADAC eine gross angelegte Untersuchung vorgelegt, die das Ergebnis ebenfalls bestätigt.

Umfassender Emissionshandel ist besser

Danach muss ein Elektro-Golf in Deutschland 219’000 km fahren, bis er trotz seines CO2-Rucksacks mit dem Diesel gleichzieht. PKW halten aber im europäischen Durchschnitt nicht länger als 180’000 km.  Auch halten die Batterien, wie Joanneum berichtet, nicht lange genug. Sie machen viel früher schlapp als vielfach angenommen, weil die Reichweitenangst die Fahrer veranlasst, ihre Batterien bei jeder Gelegenheit häufig und mit hohem Tempo vollzutanken.

Was die Parlamentarier betrifft, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder, sie wussten nicht, was sie taten, oder sie haben die Völker Europas wissentlich an der Nase herum geführt. Beide Möglichkeiten sprechen dafür, die EU zu bitten, ihre dirigistische Industriepolitik zurückzunehmen und stattdessen auf marktwirtschaftliche Instrumente wie insbesondere die Einrichtung eines umfassenden Emissionshandels zu setzen. Die Verordnung zum Flottenverbrauch bringt dem Klima nichts, vernichtet Arbeitsplätze, kostet Wachstum und vergrössert das Misstrauen der Bürger gegenüber einer als immer undurchsichtiger empfundenen EU-Bürokratie.

Copyright: Project Syndicate.

Leser-Kommentare

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Willy Huber 13.12.2019 - 12:15
Dass die die deutschen Spitzenautohersteller VW, Daimler und Audi jahrzehntelang ohne Not (es ging Ihnen ja zu Recht sehr gut!) betrogen haben, ist das Eine. Dass jetzt auf stark subventionierte Elektroautos, Windräder und Solarzellen umgestellt werden soll (weil China das ja auch tut, obwohl der Strom weitgehend durch Kohle- oder Gaskraftwerke erzeugt wird) ist wohl kaum mehr als blutleeres Politikgeschwätz… Weiterlesen »
Roland Iselin 15.12.2019 - 16:59

Und bei der Produktion von Dieselautos fällt kein CO2 an?