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Der Elefantenjäger sucht die nächste Trophäe

Als Investor gibt sich Bill Ackman nicht mit kleinen Schritten zufrieden. Der milliardenschwere Hedge-Funds-Manager sucht den grossen Wurf – mit wechselndem Erfolg. 

Für den Hedge-Funds-Manager Bill Ackman ist 2020 bisher ein hervorragendes Jahr, zumindest geschäftlich. Der 54-jährige Investor glänzte zu Beginn der Coronakrise mit nahezu perfektem Timing, als er mit einer Wette auf fallende Anleihenpreise innert weniger Wochen 2,6 Mrd. $ gewann. Sein Einsatz: 27 Mio. $.

Damit setzte der Financier seinen guten Lauf von 2019 fort, als er mit seinem kotierten Hedge Funds Pershing Square eine Rendite von 58% erzielte. Jedes einzelne Investment habe letztes Jahr Gewinn gebracht, schrieb Ackman im April an die Aktionäre. 

Doch Ackman wäre seinem Ruf nicht gerecht geworden, hätte er nicht auch im Zusammenhang mit seiner lukrativen Coronaabsicherung für Kontroversen gesorgt. «Hell is coming», prophezeite er in einem Interview mit dem US-Fernsehsender CNBC. Auch wenn er mit dieser Einschätzung Mitte März kaum mehr allein war: Der Kommentar trug ihm prompt den Vorwurf ein, er habe die Märkte mit einem emotionalen Auftritt zu seinen Gunsten manipulieren wollen. Seinem Guru-Status zum Trotz hat Ackman wohl nicht in diesem Ausmass Einfluss auf die Weltmärkte. 

Der Einsatz von Emotionen für seine Zwecke ist dem Harvard-Absolventen allerdings nicht fremd. Wie der Milliardär oft betont, arbeitet er nicht weiter, um noch mehr Geld zu verdienen. Zusammen mit vielen amerikanischen Milliardären hat er sich dem sogenannten Giving Pledge angeschlossen und will den grössten Teil seines Vermögens spenden. Stattdessen ist Ackman getrieben vom Verlangen, stets zu gewinnen. In dieser Mission weinte er auch schon bei einer Präsentation, so inbrünstig versuchte er, die fast 500 Anwesenden von seinem Standpunkt zu überzeugen. Es sollte nicht gelingen. Obwohl sich Ackman öffentlich mit Carl Icahn, der dreissig Jahre älteren Investorenlegende, duellierte. Obwohl er einen 48-seitigen Bericht über die angeblichen Verfehlungen der Firma veröffentlichte. Obwohl er Herbalife öffentlich als Schneeballsystem denunzierte und zeitweise 10% seiner verwalteten Vermögen auf eine Short-Position riskierte: Die Aktie von Herbalife, einem Anbieter von Diätprodukten, fiel nicht auf null, wie er das prognostiziert hatte.  

Diese Fehleinschätzung war einer der Gründe, weshalb Pershing Square von 2015 bis 2018 Verluste machte. Er gab den Kampf gegen Herbalife 2017 auf und machte seitdem weniger Getöse um seine Investments. 

Diese Woche setzt Ackman jedoch einen neuen Rekord. Im Börsengang von Pershing Square Tontine Holdings könnten 4 Mrd. $ zusammenkommen. Noch nie hat ein sogenanntes Blankocheck-Unternehmen mehr Geld eingesammelt. Und für Ackman, dessen wiedergefundener Erfolg seit 2019 mit einer neuen Ehe zusammenfällt, bietet der riesige Geldtopf eine Gelegenheit, seinen bevorzugten Investmentstil voll auszuleben: Wie er schon 2013 in einem Interview mit der «New York Times» sagte, sieht er sich als Elefantenjäger. Er sucht nach «sehr grossen Profiten». 

Diese könnten locken, wenn er die eigens dafür eingesammelten Milliarden der Special Purpose Acquisition Company einsetzt, um ein Unternehmen zu kaufen und so direkt an die Börse zu bringen. Bereits vor acht Jahren wandte er diese Methode erfolgreich an. Damals brachte eine SPAC mit Geld von Pershing Square die Fastfood-Kette Burger King an die Börse zurück. Zusammen mit Warren Buffett und Jorge Lemann, einem in der Schweiz wohnhaften Milliardär, teilte sich Ackmans Fonds einen Gewinn von über 14 Mrd. $.

Der erwartete Börsengang der SPAC zeigt, dass die Anleger Ackman eine solche Leistung erneut zutrauen. Er hat allerdings viel Konkurrenz: Voraussichtlich hat diese Art von Unternehmen nie zuvor mehr Geld eingesammelt als 2020. Eines der Vehikel hat zum Beispiel im Juni Nikola (NKLA 10.60 -4.33%) (Lesen Sie hier mehr.) an die Börse gebracht, einen Hersteller von Elektrolastwagen. Dessen Aktien haben sich seitdem etwa verfünffacht – Ackman muss also einen grossen Elefanten «landen», um einmal mehr zu gewinnen.