Zum Thema: ABB ist richtig aufgestellt

Der Erfolg in Panalpina will erdauert werden

Die Beteiligung am Transportlogistiker war Cevians erstes Engagement in der Schweiz. Die Bilanz ist durchwachsen.

Das Engagement am Frachtspediteur Panalpina (PWTN 120.9 0.25%) zählt bislang zu den mittelprächtig erfolgreichen des aktuellen Investmentportfolios von Cevian. Zwischen Ende 2009 und Mitte Juli 2010 baute der schwedische Investor in drei meldepflichtigen Schritten eine Beteiligung von 10,3% am Basler Unternehmen auf; mittlerweile sind es 12,3%.

Damals betonte Cevian-Partner Ilias Läber gegenüber «Finanz und Wirtschaft», die Gesellschaft investiere in Unternehmen mit einem erfolgversprechenden Geschäftsmodell, die jedoch im operativen Bereich über erhebliches Verbesserungspotenzial verfügten. An Panalpina gefielen die Asset-Light-Strategie und das globale Netzwerk. Das Unternehmen verfüge über die kritische Grösse, das Geschäft weltweit zu betreiben. Panalpina zählt in den beiden bedeutendsten Sparten, der Luft- und der Seefracht, zu den fünf grössten Anbietern und strebt an, diese Position zu verteidigen.

Dem Investment war eine eingehende Prüfung von Panalpina vorausgegangen. Die Strategie in Ordnung, aber nicht die Umsetzung – so lässt sich der Befund zusammenfassen.

Wie in den meisten andern Fällen nahm Cevian im Verwaltungsrat Einsitz, um aktiv an der Entwicklung des Transportlogistikkonzerns mitzuwirken. 2011 bis 2013 war es Co-Gründer Lars Forsberg, seither nimmt Ilias Läber die Rolle wahr.

Die Zusammenarbeit mit Cevian sei konstruktiv und engagiert, erläuterte Rudolf W. Hug, Verwaltungsratspräsident von Panalpina, in einem Interview mit «Finanz und Wirtschaft» vor einem Jahr. Es gehe primär um finanztechnische Fragen, «aber mit klarer Ausrichtung auf operative Verbesserungen». Unter neuem Management, das seine Sporen während vielen Jahren beim Branchenprimus Kühne + Nagel (KNIN 130.85 -1.25%) abverdient hatte, wurden die Transparenz gegen innen und aussen erhöht und die gröbsten Verlustquellen beseitigt. Dort, wo sich die Probleme isolieren liessen, etwa in den Landesgesellschaften oder in der Kontraktlogistik, wurden rasch erste Fortschritte erzielt. Doch seit zwei Jahren, zum Teil auch wegen des unberechenbaren Branchenumfelds, stockt der Turnaround. Die komplexen globalen Arbeitsprozesse lassen sich nicht über Nacht beschleunigen. Panalpina muss dringend Produktivität und betriebliche Effizienz erhöhen und das IT-Betriebssystem durch ein modernes ersetzen. Das Projekt verschlingt hohe Kosten und wird voraussichtlich erst Ende 2016 ganz abgeschlossen sein. Die operativen Margen dürften folglich erst ab 2017 konkurrenzfähig werden.

Die Publikumsaktionäre und Cevian werden noch einige Jahre Geduld benötigen. Zwar ist die Investmentgesellschaft mit einem geschätzten mittleren Einstiegskurs von 80 bis 90 Fr. bislang nicht unter Rechtfertigungsdruck. Aber dem von viel Hoffnung geprägten Kursgewinn von 60% (2013) folgte eine Minusperformance von 10% im vergangenen Jahr und bisher 6,5% in diesem Jahr. Immerhin ist dadurch die Bewertung (Kurs-Gewinn-Verhältnis 2016 von 20) nicht mehr so astronomisch hoch wie zuvor. Sie setzt  trotzdem voraus, dass der Gewinn 2015 rund 35% und 2016 rund 25% steigt.

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