Meinungen

Der Fehlschuss der Professoren

Weil die UBS ein Projekt an der Universität Zürich finanziert, sehen 27 Professoren deren Unabhängigkeit in Gefahr. Sie liegen falsch und gefährden eine Erfolgsgeschichte.

«Solange die Transparenz und die Konkurrenz im Forschungswettbewerb gegeben sind, können wir froh sein, wenn jemand sich damit schmücken will, Forschern finanziell unter die Arme zu greifen.»

Man könnte glauben, die Universität Zürich sei akut in Gefahr: 27 Professoren haben einen «Internationalen Appell für die Wahrung der wissenschaftlichen Unabhängigkeit» unterzeichnet. Dieser dramatische Aufruf richtet sich gegen die Finanzierung einer Initiative des an der Universität Zürich lehrenden Wirtschaftsprofessors Ernst Fehr. Die Grossbank UBS hat das von ihm mitgeleitete UBS International Center of Economics in Society mit 100 Mio. Fr. ausgestattet. Die Unterzeichner sehen durch diese Zahlung die von der Verfassung geschützte Freiheit von Lehre und Forschung gefährdet. Die Erhaltung der wissenschaftlichen Unabhängigkeit ist ein wichtiges Anliegen, doch mit ihrem Aufruf zielen die Profossoren auf  eine der besten Initiativen der ökonomischen Fakultät der Universität Zürich der letzten Jahre. Die Gründe:

  • Im Bereich der Volkswirtschaftslehre hat sich Zürich zu einer der führenden Universitäten weltweit gemausert. Ernst Fehr zum Beispiel wird seit längerem als Anwärter für den Nobelpreis gehandelt. Und er ist nicht der Einzige mit einem international hervorragenden Renommée, das gilt auch für den Makroökonomen Fabrizio Zilibotti. Genau diese beiden leiten das von der Grossbank gesponserte UBS International Center.
  • Diese Ökonomen können sich Gefälligkeitsforschung für einen mächtigen, offen auftretenden Geldgeber nicht leisten. Sie würden ihren hervorragenden Ruf aufs Spiel setzen. Die Unterzeichner des Aufrufs sollten über die knallharte Konkurrenz im Wissenschaftsbetrieb am besten Bescheid wissen. Die Gefahr wäre grösser, wenn ein Geldgeber unbekannt bliebe. Es liegt aber auch nicht im Interesse der UBS , die Forschung des Centers im eigenen Sinn zu beeinflussen. Das teuer bezahlte Projekt würde sich selbst diskreditieren.
  • Wie ernst das Center seinen Zweck – «die Förderung des Wissenstransfers zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit» – verfolgt, davon konnten sich im vergangenen November Hunderte im grossen Saal des Zürcher Kaufleuten selbst überzeugen. Das Center veranstaltete dort eine Tagung mit kontroversen aktuellen ökonomischen Themen und Vertretern aus der internationalen Topliga der Ökonomenzunft. Hauptredner war Daron Acemoglu – ebenfalls Nobelpreisaspirant –, im April wird Daniel Kahneman kommen, Begründer der Behavioural-Finance-Forschung, Psychologe und Nobelpreisträger der Ökonomie.
  • Makroökonomie und Verhaltensforschung, wie sie Zilibotti und Fehr betreiben, dominieren nicht nur die Wirtschaftswissenschaften, sie interessieren auch die Öffentlichkeit in einem Ausmass wie kaum je zuvor. Dass sich das Center dieses Anliegens annimmt, ist nur zu begrüssen. Angesichts der beschränkten Mittel der Universität sind solche Initiativen von dort sonst ohnehin nicht zu erwarten.

Der «Appell» der Professoren spielt auf verbreitete Reflexe gegen die Grossbank an: «Die UBS hat in der Vergangenheit gezeigt, dass sie unethische Geschäfte tätigt», steht da etwa. Was das Center tut, hat nicht das Geringste mit der UBS-Vergangenheit zu tun. Aber solche Anspielungen zielen auf den Ruf des Centers und der Ökonomen ab, die es leiten. Es wird insinuiert, sie würden sich zu Handlangern einer unethischen Organisation machen.

Die Unabhängigkeit der Forschung muss über allem stehen, damit haben die Unterzeichner recht. Nicht nur, weil sie von der Verfassung geschützt ist, sondern vor allem, weil gegen Bezahlung erstellte Forschungsergebnisse nichts wert sind.

Mit dem Angriff auf das Center erweisen die unterzeichnenden Professoren ihr keinen Dienst. Weniger Mittel zur Verfügung zu haben, erhöht die Gefahr von Abhängigkeiten und verdrängt die besten Forscher, wenn ihnen Entwicklungsmöglichkeiten entzogen werden. Es gilt zu unterscheiden zwischen der Unabhängigkeit in der Forschung und der Unabhängigkeit von finanziellen Mitteln für die Forschung. Letztere existiert nie. Das Risiko einer inhaltlichen Einflussnahme ist daher grundsätzlich nicht auf die private Finanzierung von Forschung beschränkt. Wer kennt bei der öffentlichen Finanzierung die genauen Kriterien für die Zuteilung der knappen Mittel? Solange die Transparenz und die Konkurrenz im Forschungswettbewerb gegeben sind, können wir froh sein, wenn jemand sich damit schmücken will, Forschern finanziell unter die Arme zu greifen.

Markus Diem Meier ist stellvertretender Chefredaktor der «Finanz und Wirtschaft»

Leser-Kommentare

Heinrich Tünte 28.02.2013 - 18:06

Schließ mich der Meinung der F u. W an.

Heini Bachmann 02.03.2013 - 23:28
Wenn die UBS schon über genügend Geld für das Sponsoring von Lehrstühlen an der UNI Zürich verfügt, warum “spendet” sie dieses Geld dann nicht (vielleicht “getarnt” als Steuern!) dem Staat Zürich? Wenn der UBS wirklich daran gelegen wäre, die Unabhängigkeit der Hochschulforschung nicht zu gefährden, warum traut sie dies dem angeblich demokratisch legitimierten und kontrollierten Staat dann nicht zu? Offenbar… Weiterlesen »