Die fünfte Auflage des FuW-Forum «Vision Bank – Vision Finanzplatz Schweiz» stand unter dem Motto «Transparenz als Chance». Und offen zeigten sich die Vertreter des Finanzplatzes vergangenen Mittwochnachmittag im Zürcher Kunsthaus. «Wir hatten nicht alles verstanden», antwortete Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam auf die Frage von FuW-Chefredaktor Mark Dittli, weswegen die Grossbank gleichentags zum dritten Mal ihre neue Strategie nachjustiert und die Sparmassnahmen verschärft habe.

Erst im Laufe der Zeit habe sich gezeigt, was bei der Grossbank alles im Argen liege, so Thiam. Zudem habe sich das Marktumfeld zum Jahreswechsel eingetrübt. Auf die Frage, ob die Kapitalerhöhung von 6 Mrd. Fr. Ende vergangenen Jahres unzureichend war, antwortete Thiam, er hätte gerne mehr Kapital aufgenommen. Doch der Markt habe schlicht nicht mehr zugelassen.

Das politisch Mögliche solle ebenfalls unternommen werden, um Schweizer Banken den Zugang zum europäischen Markt aus der Schweiz heraus zu verschaffen, sagte Boris Collardi, CEO von Julius Bär (BAER 49.26 +3.23%). Wenn hier keine Lösung gefunden werde, bestehe das Risiko, einen guten Teil des Geschäfts zu verlieren. Das beinhalte auch die Übernahme der EU-Gesetze in diesem Bereich. «Wenn wir nicht gleichwertig sind mit Europa, werden wir auch nicht von Lateinamerika oder Asien anerkannt», sagte Felix Haldner, Geschäftsleitungsmitglied des Asset-Managers Partners Group (PGHN 1'048.00 +3.40%).

Eine Alternative für Schweizer Vermögensverwalter bestehe darin, die Kunden in den EU-Staaten direkt zu betreuen. Mit 3,1 Bio. Fr. an verwalteten Vermögen ist die Schweiz zwar immer noch der Finanzplatz Nummer eins der Welt, so Collardi. Doch in den vergangenen Jahren habe man an Marktanteil eingebüsst.

Entscheidend für die Schweizer Vermögensverwalter sei deshalb, «die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen», sagte Collardi. Die Institute müssten an ihren Geschäftsmodellen arbeiten, neue Ertragsmodelle, die nach Beratungsintensität abrechnen, entwickeln und Teile der Wertschöpfungskette auslagern oder auch bankenübergreifend zusammenlegen. Es müsse aber auch an der zuletzt angekratzten Reputation gearbeitet werden.

Ein bestimmendes Thema für die Branche ist auch die Digitalisierung. Die Genossenschaftsbank Raiffeisen arbeitet mit Hochdruck daran. Das beinhalte auch das Risiko, in etwas zu investieren, was sich hinterher als Fehlschlag herausstelle, sagte Raiffeisen-CEO Patrik Gisel.

Zurzeit arbeitet Raiffeisen zusammen mit der Bankensoftwareschmiede Avaloq an einer neuen Banken-IT, um den Kunden die Möglichkeiten des digitalen Banking anbieten zu können. «Das wird nicht einfach», sagte Gisel. Die Digitalisierung werde das bisherige Geschäft kannibalisieren. Was aber auch sein müsse, so Gisel. «Wir müssen Freude daran bekommen, uns zu kannibalisieren.»

Grundsätzlich werde die Industrie in den kommenden Jahren eine Veränderung durchmachen, sagte Christian Staub, CEO von BlackRock (BLK 666.53 +2.16%) Schweiz. Die Konsolidierung auf dem Finanzplatz wird fortschreiten, und die Margen werden unter Druck bleiben. Darüber müssten sich alle im Klaren sein.