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Patrick Odier: «Der Finanzsektor muss sich besser organisieren»

Patrick Odier, Senior Managing Partner von Lombard Odier, sieht beim Thema Nachhaltigkeit die Bankbranche in der Pflicht, Veränderungen anzustossen.

Wenn das World Economic Forum in Davos vor zwei Wochen eines mit aller Deutlichkeit gezeigt hat, dann das: Nachhaltigkeit ist das Schlüsselwort unserer Zeit. Das spürt auch die Finanzbranche. Kaum ein Vermögensverwalter oder Asset-Manager kann es sich erlauben, das Thema zu ignorieren. Allerdings sieht sich die Branche immer wieder dem Ruf ausgesetzt, Greenwashing zu betreiben, sich also primär aus PR-Gründen umweltfreundlich darzustellen.

Einen grossen Schritt weiter geht Lombard Odier. Die Genfer Bankgruppe ist 2019 von der globalen Non-Profit-Organisation B Lab mit der B-Corp-Zertifizierung als nachhaltiges Unternehmen ausgezeichnet worden. «Wir sind wohl das grösste Finanzinstitut weltweit, das dieses Zertifikat erhalten hat», sagte Patrick Odier, Senior Managing Partner von Lombard Odier, anlässlich des FuW Forum «Vision Bank – Vision Finanzplatz Schweiz» am Mittwoch.

Trend beschleunigt sich

Odier ist überzeugt, dass das Geschäftsmodell der Banken sich auch aufgrund des Themas Nachhaltigkeit verändern wird. «Beschleunigend auf den Trend wirken die Konsumenten und die Politik», sagt Odier. «Gerade für Politiker ist es sehr viel einfacher, gewählt zu werden, wenn sie grüne Argumente anbringen können.»

Allerdings bleibt die Frage, wie die Umorientierung der Investoren bei der Kapitalallokation gefördert werden kann. Für Odier ist klar, dass der Finanzsektor selbst aktiv werden muss. «Dafür müssen wir uns im Sektor besser organisieren und unsere Meinungen und unsere Prioritäten abgleichen.» Hand bietet die Schweizerische Bankiervereinigung, die das Thema Nachhaltigkeit ganz weit oben auf ihrer Prioritätenliste stehen hat.

Hohe Rendite mit Nachhaltigkeit

Für mehr Aktivismus appelliert Odier auch in Bezug auf die Regulierungstendenzen innerhalb der EU. So bleibe dem Finanzplatz beim EU-Aktionsplan zu Sustainable Finance noch genügend Zeit, sich einzubringen. «Wir haben hierzulande das Wissen, um das zu tun», sagt er. «Schlussendlich ist das auch eine Chance, uns im Ausland beim Thema Nachhaltigkeit zu profilieren.»

Geht es nach Odier, kommen Investoren langfristig nicht darum herum, ihr Portfolio auf Nachhaltigkeit auszurichten, wenn sie eine hohe Rendite erzielen wollen. Derzeit sei es für langfristige Statistiken zwar noch früh. «Aber es sieht so aus, dass die Modelle gute Resultate zeigen, was die Performance nachhaltiger Anlagen angeht.» Und die Nachfrage spricht für sich. Vor fünf Jahren hätten nur 5% der Lombard-Odier-Kunden Fragen zum Thema Nachhaltigkeit gestellt, so Odier. «Heute stehen wir bei 95%.»