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Der Folterer von Guantanamo

Mister X folterte im US-Gefangenenlager. Nun will sich sein prominentestes Opfer mit ihm versöhnen.

«Ich hasse mein Land dafür, dass es mich zu diesem Monster gemacht hat», sagt Mister X in einem Interview, das die deutsche Wochenzeitung «Die Zeit» und der Fernsehsender NDR vor einigen Tagen publiziert haben. Was er getan hat im US-Gefangenenlager Guantanamo, bezeichnet er heute als Folter – «keine Frage».

Der bullige, mit Tattoos übersäte und kahlköpfige Mittfünziger ist ehemaliger Mitarbeiter des amerikanischen Geheimdienstes. Die Geschichte seines mittlerweile prominenten Ex-Häftlings ist bekannt. Mohamedou Ould Slahi kam in Verdacht, einer der Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September gewesen zu sein. Von 2002 bis 2016 war er Gefangener in Guantanamo und wurde dann aufgrund mangelnder Beweise ohne Anklage freigelassen. Seine Geschichte hat er in mehreren Büchern veröffentlicht, der Film «Der Mauretanier» bringt sie derzeit auf die Kinoleinwände.

«Eigentlich ein kluger Mann»

Mister X hingegen, sein richtiger Name ist nicht bekannt, hat bis jetzt geschwiegen. Er war Teil des sogenannten Special Projects Team. Es verhörte Slahi im Sommer 2003 im Schichtbetrieb rund um die Uhr. Mister X war jeweils in der Nacht im Einsatz. «Mister X war eine herausragende Person in dieser JTF-Spezialvernehmungs-Gruppe», schreibt Slahi in seinem Guantanamo-Tagebuch. «Mister X war eigentlich ein kluger Mann, trotzdem gaben sie ihm den dreckigsten Job auf der gesamten Insel, und sie schafften es schockierenderweise tatsächlich, ihn mit einer Gehirnwäsche glauben zu machen, er tue das Richtige.» Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?