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Märkte / Makro

Der Franken strebt gegen den Mindestkurs

Hält der Abwärtstrend an, muss die Nationalbank bald intervenieren. Hauptursache für den starken Franken sind die Konjunkturschwäche und die geringe Inflation in Europa.

Der Franken-Euro-Wechselkurs bewegt sich seit Anfang August stetig abwärts, die Untergrenze der Schweizerischen Nationalbank (SNB) kommt in Sichtweite. Am 5. August handelte das Währungspaar auf 1.2177 Fr./€, am Dienstag kostete 1 € bloss noch 1.2077 Fr.

Ein Rappen in einem Monat ist zwar keine riesige Differenz und für Exporteure oder Investoren kaum relevant. Mit Blick auf den Mindestkurs ist die Entwicklung gleichwohl wichtig.

Sicherer Hafen und schwacher Euro

Abwärtsdruck komme von der Schwäche des Euros und von geopolitischen Spannungen, sagt Devisenstratege Constantin Bolz von der UBS. Seit der Krimkrise sei der Franken vermehrt als sicherer Hafen gefragt. Anfang März war der Kurs erstmals seit längerem auf 1.21 Fr./€ gesunken.

Die politischen Anspannungen seien weniger ausschlaggebend, wägt Devisenanalyst Marcus Hettinger von Credit Suisse ab. Der Wechselkurs sei auch in Phasen gefallen, in denen die Aktienmärkte dank einer Entspannung avanciert seien. Hauptgrund sei die lockere Geldpolitik in der Eurozone. Die Abwärtsbewegung des Wechselkurses sei kein Franken-, sondern ein Europhänomen.

Die Wirtschaftserholung gerät aus den Fugen

Die Gemeinschaftswährung sei schwächer geworden wegen Verlautbarungen der Europäischen Zentralbank (EZB) in Kombination mit unerfreulichen Wirtschaftsdaten aus der Währungsunion, erläutert Bolz. So sei die Inflation tiefer gefallen als von der EZB prognostiziert, zudem seien die Inflationserwartungen im Markt gesunken. Aus der Wirtschaft kämen schwächere Umfragewerte von Unternehmen, gemäss Einkaufsmanagerindizes und in Deutschland auch mit dem Ifo-Index. Bolz folgert: «Es gibt einige Punkte, die darauf hinweisen, dass die Wirtschaftserholung in Europa aus den Fugen geraten könnte.»

Der Zinsvorteil des Euros sei fast völlig erodiert, führt Hettinger aus. Deshalb komme er gegenüber allen Währungen unter Druck. Besonders gut sichtbar ist das gemäss Bolz anhand fünfjähriger Staatsanleihen aus der Schweiz und Deutschland. Anfang Jahr rentierte der fünfjährige «Eidgenosse» 0,21% und die deutsche Bundesanleihe 0,94%, die Differenz betrug somit 0,73 Prozentpunkte. Jetzt belaufen sich die Renditen der beiden Papiere auf 0,11 respektive 0,18%, der Unterschied ist bloss noch 0,07 Prozentpunkte. Dadurch hat der Euro gegenüber dem Franken an Attraktivität verloren, das drückt den Wechselkurs nach unten.

Muss die EZB die erwartete Inflation anheben?

Nun habe EZB-Präsident Mario Draghi an der Notenbankkonferenz in Jackson Hole am Wochenende erstmals öffentlich anerkannt, dass die Inflationserwartungen deutlich gefallen sind, sagt Bolz. Davor hatte Draghi jeweils erklärt, die Erwartungen seien im Markt «fest verankert». Die EZB will bislang Liquidität in den Markt bringen, um die Wirtschaft anzukurbeln, aber nicht Deflationserwartungen parieren. Am Wochenende betonte Draghi, die EZB sei bereit, falls nötig mehr zu tun. Eine noch expansivere Geldpolitik würde den Euro schwächen.

«Jetzt rechnen die Finanzmärkte mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine quantitative Lockerung», erklärt Bolz. UBS erwartet im Hauptszenario allerdings nicht, dass die EZB Staatsanleihen ankaufen wird. Credit Suisse geht davon aus, dass die EZB abwarten wird, wie sich die im kommenden September aktivierte Liquiditätsspritze TLTRO auswirkt. Als nächster Anhaltspunkt zur Inflation bietet sich am kommenden Freitag der Konsumentenpreisindex für Euroland. Einen Zinsentscheid fällt die EZB am 4. September.

Kein spekulativer Angriff

Stark unter Druck kam der Wechselkurs im Sommer 2012, als Investoren befürchteten, die Eurozone könnte kollabieren. Damals wetteten spekulative Anleger mit Optionen auf einen Bruch der SNB-Untergrenze. Diese hielt stand, und die Spekulanten verloren den Wetteinsatz. Wie sieht das derzeit aus? Bolz: «Spekulative Investoren, die vor zwei Jahren gegen die SNB wetteten und sich die Finger verbrannten, werden das wohl nicht gleich nochmals versuchen wollen.»

Hettinger ortet eine seit mehreren Monaten bestehende, schleichende Euroschwäche. Ab Juni mit der weiteren Lockerung der Geldpolitik der EZB sei der Wechselkurs dann graduell gefallen. Hauptursache sei die abnehmende Zinsdifferenz.

Trotz der scheinbar zielstrebigen Abwärtsbewegung des Wechselkurses resümiert Bolz: «Wir machen uns keine Sorgen». Der Franken-Euro stehe wegen geopolitischer Spannungen und der schwierigen Wirtschaftslage in Europa unter Druck, doch falls nötig «verhindert die SNB, dass der Mindestkurs unterschritten wird. Wir haben vollstes Vertrauen in die Nationalbank, dass sie dies auch schaffen wird.»