Märkte / Kunstmarkt

Der gelungene Spagat des Grafen Douglas

Eigentlich hätte niemand zu erfahren brauchen, dass der deutsche Textilindustrielle Jan A. Ahlers seine gefeierte, aber nun ab- geschlossene Expressionistensammlung verkauft hat, um sich dem Aufbau einer neuen Sammlung zeitgenössischer Kunst zu widmen. Der inzwischen als freier Kunstberater arbeitende ehemalige deut- sche Sotheby’s-Geschäftsführer Dr. Christoph Graf Douglas und sein Ex- Sotheby’s-Kollege, der New Yorker Kunsthändler David Nash, die die ganze Sammlung aufgekauft haben, hätten mit ihren Beziehungen zu Sammlern auf der ganzen Welt gewiss keine Mühe gehabt, die darin enthaltenen Werkgruppen von Kirchner, Beckmann, Jawlensky usw. diskret an den Mann zu bringen. Dem Vernehmen nach soll inzwischen ja auch schon ein erheblicher Teil der Sammlung verkauft sein.
Dennoch konnte man in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften fast so viel über den privaten Verkauf der Sammlung lesen, wie wenn sie versteigert worden wäre, obschon der Sammler ausdrücklich die mit einem Auktionsverkauf verbundene Publizität hatte vermeiden wollen. Natürlich wurde in keiner Publikation der Verkaufspreis der rund 100 Bilder und Grafikblätter genannt – es dürfte sich um einen Betrag zwischen 50 und 100 Mio.$ handeln. Auch über weitere Einzelheiten dieses Verkaufes oder darüber, wie Douglas und Nash diesen Ankauf finanzierten, schweigen sich die Beteiligten aus.
Stattdessen erfährt man ein wenig über die Bedeutung und den Inhalt der Sammlung und einiges über die Tätigkeit und die Absichten ihrer Verwerter Douglas und Nash. So kann man nachlesen, dass der Graf, der für Sotheby’s seinerzeit die erfolgreichen Schlossversteigerungen Thurn und Taxis sowie Baden-Baden inszeniert und die Fürstenberg’sche Handschriftensammlung für 48 Mio. DM an das Land Baden-Württemberg vermittelt hat, sich dafür einsetzen will, «dass die Bilder vor allem bei Kunstliebhabern in Deutschland eine neue Heimat finden».
Das Dilemma privater Kunstvermittler wie Douglas und Nash besteht eben darin, dass man zwar einerseits seinen Kunden ein Höchstmass an Unauffälligkeit und Diskretion gewährleisten muss. Um aber an neue Aufträge und an neues Material herankommen zu können, muss man andererseits auch seine Dienstleistungen jenen Leuten zur Kenntnis bringen, die sich dafür interessieren könnten. Dieser schwierige Spagat zwischen Publizität und Diskretion scheint dem gräflichen Kunsthändler zumindest dieses Mal wieder gelungen zu sein.
(Auskunft über die Verfügbarkeit von Werken aus der Sammlung Ahlers erteilt: Kunstberatung Dr. Christoph Graf Douglas, Liebigstrasse 27B, D-60323 Frankfurt, Deutschland; Tel. 0049 69 170 0250; E-Mail: chdouglas@t-online.de)CFC

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