Meinungen

Der Giftcocktail

Jahrelang haben vor allem die Grossbanken ihre Kunden à gogo auf Pump investieren lassen. In der Krise rächt sich das jetzt. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Valentin Ade.

«Eine Vielzahl von Kunden erhält dieser Tage den gefürchteten Margin Call.»

In der Krise werden Schönwettergeschäfte entlarvt – nämlich dann, wenn sie in sich zusammenbrechen. Reihenweise passiert das zurzeit bei den Vermögensverwaltern im Land, vor allem bei UBS (UBSG 9.16 -3.52%) und Credit Suisse (Credit Suisse 8.112 -2.52%). Die haben ihre reichen Kunden in den vergangenen Jahren mit Krediten gefüttert, dass es nur so krachte. Vor allem Iqbal Kahn, Ex-Chef Private Banking CS und heute UBS-Topshot, hatte diesen Zaubertrank entdeckt, um den Gewinn seiner Division hochzutreiben. 

Die Kunden hinterlegen Vermögenswerte als Sicherheiten, am liebsten hochliquide Wertschriftenportfolios. Auf die erhielten sie sogenannte Lombardkredite. Investierten die Kunden diese Liquidität über dieselbe Bank wieder in die Märkte, handelten also gehebelt drauflos, strich die Bank nicht nur fette Zinsen ein, sie verbuchte die Ausleihungen auch als neue verwaltete Vermögen. Dieses Bubentrickli geht jetzt potenziert nach hinten los. Die hinterlegten Portfolios haben teilweise massiv an Wert verloren, die Kunden sind ärmer, die verwalteten Vermögen sind niedriger, die Banken verdienen darauf weniger. Zudem sind die Kredite auf den Bankbilanzen plötzlich in Unterdeckung geraten, müssen im Worst Case abgeschrieben werden. 

So erhalten eine Vielzahl von Kunden dieser Tage den gefürchteten Margin Call: Der Bank­berater ruft an und verlangt vom Kunden, frisches Kapital einzuschiessen, sonst wird das Portfolio verscherbelt. Ein Spiel, das bei schönem Wetter nur Gewinner zu produzieren schien, hinterlässt im Regenschauer nur Verlierer. Der Zaubertrank ist zum Giftcocktail geworden.