Märkte / Makro

Der globale Handelskonflikt zieht immer grössere Kreise

Im Streit zwischen den USA, China und der EU wird verstärkt mit nicht finanziellen Massnahmen gedroht. Die globalen Finanzmärkte reagieren nervös.

Zurzeit vergeht kaum eine Woche, ohne dass sich der globale Handelskonflikt weiter verschärft. Konzentrierten sich die Streitparteien USA, China und die EU bislang auf die Ankündigung und Implementierung von Strafzöllen, scheinen nun verstärkt auch nicht finanzielle Massnahmen ins Auge gefasst zu werden. Gemäss einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg plane Präsident Donald Trump neuerdings, chinesische Direktinvestitionen in den USA einschränken zu wollen. Eine gütliche Beilegung der Querelen wird immer unwahrscheinlicher.

Erhalten die zitierten Insider recht, soll der Verkauf bestimmter US-Gesellschaften untersagt werden, wenn sich der ­Akquisiteur zu mehr als ein Viertel in ­chinesischem Besitz befindet. Die Veröffentlichung neuer Restriktionen sei für Ende Woche geplant. Bis dahin wären noch Änderungen möglich, etwa bei der Definition der Beteiligungsschwelle.

Auf China ausgerichtet

Der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin hat über Twitter die Medienberichte zwar bereits als «fake news» zurückgewiesen – dabei aber bloss erklärt, dass solche Massnahmen nicht spezifisch gegen China, sondern gegen alle Nationen gerichtet wären, die versuchten, geistiges Eigentum von den USA zu stehlen.

Wie auch immer die neuen Regeln ausgestaltet würden – eines scheint weiterhin klar: Die US-Regierung hat sich vor allem zum Ziel gesetzt, den Aufstieg Chinas zur führenden Technologiemacht zu blockieren. Dies wurde bereits in der Selektion der mit US-Strafzöllen belegten chinesischen Produkte deutlich – tangieren sie mit IT, E-Mobilität oder Robotik doch schwergewichtig Branchen, die Peking im «Made in China 2025»-Programm als strategisch bedeutend definiert hat.

Parallel zum sino-amerikanischen Konflikt nehmen auch die Spannungen zwischen den USA und Europa weiter zu. Vergangene Woche hat die EU wie angedroht die Einfuhrzölle auf US-Güter wie Bourbon, Jeans und Orangensaft erhöht. Das hat Trump seinerseits dazu gebracht, mit 20%-Abgaben auf Automobile zu drohen, die aus Europa eingeführt werden – sollten die EU-Zölle nicht bald fallengelassen werden.

Die Folgen der jüngsten Verschärfung haben einzelne Unternehmen bereits zu spüren bekommen: Harley Davidson gab zu Wochenbeginn bekannt, einen Teil der amerikanischen Fertigung ins Ausland verlagern zu müssen – etwa auf Standorte in Brasilien, Indien oder Australien. Damit will das Unternehmen die Einfuhrzölle umgehen, die den Absatzpreis eines Motorrads in der EU im Mittel um 2200 $ hochtreiben würden. Gesamthaft rechnet das Management mit jährlichen Zusatzkosten von 90 bis 100 Mio. $.

Wie sich der Konflikt in den kommenden Wochen entwickelt, ist schwierig abzuschätzen. Vieles hängt von der Frage ab, welche der angekündigten Strafzölle tatsächlich auch implementiert werden. Setzt Trump alle angedrohten Massnahmen durch – inklusive der Neuverhandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (Nafta) –, würden die US-Einfuhrgebühren laut einer Analyse von Bank of America Merrill Lynch prozentual auf das höchste Niveau seit 1946 klettern.

Eine grosse Unbekannte ist auch China: Angesichts des bilateralen Handelsüberschusses kann das Reich der Mitte zwar nicht mit Strafzöllen im gleichen Umfang antworten. Die meisten Analysten gehen allerdings davon aus, dass China vor allem mit nicht finanziellen Massnahmen antwortet. Gemäss dem Researchhaus TS Lombard könnten zum Beispiel chinesische Unternehmen von Peking angewiesen werden, US-Zulieferer zugunsten europäischer oder asiatischer Alternativen auszuwechseln. Auch administrativ könnte China den USA einige Schmerzen zufügen – so beispielsweise Übernahmen, in die US-Konzerne involviert sind, die nötige Zustimmung der Wettbewerbshüter zu versagen.

Stimmung bleibt angespannt

Die aktuellsten Ereignisse haben der Stimmung an den Finanzmärkten einen weiteren Dämpfer verpasst. Besonders die chinesischen Börsen gerieten unter Druck: Inzwischen bewegt sich der CSI 300 – er umfasst die grössten chinesischen Festlandtitel – mit einem Minus von 20% gegenüber dem Januarhöchst in Bären-terrain. Auf Sektorebene präsentierten sich direkt betroffene Branchen wie die Automobilindustrie besonders schwach.

Parallel dazu scheint sich auch in den Führungsetagen die Stimmung einzutrüben, was wiederum die Investitionsfreude der Unternehmen hemmen dürfte. So fiel etwa in Deutschland der Ifo-Geschäftsklima-Index im Juni um 0,5 auf 101,8 Punkte. Der von US-Präsident Trump angedrohte Handelskrieg belaste, ebenso wie die abflauende Weltkonjunktur.

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