Märkte / Rohstoffe

Der manipulierte Goldmarkt

Am Referenzpreis für Gold wurde hantiert. Fraglich ist, ob die US-Notenbank den Goldpreis systematisch nach unten drückt und ob sie gar kein Gold mehr hat.

Um den Goldmarkt ranken sich notorisch Gerüchte der Preismanipulation. Die meisten davon betreffen die US-Notenbank, grosse Investmentbanken und gezielte Marktinterventionen. Auch wenn «Finanz und Wirtschaft» einer auf Fakten basierenden Berichterstattung verpflichtet ist, werden hier ein konkreter Vorwurf und die drei «glaubwürdigsten» Gerüchte beleuchtet.

Ein Vorwurf, der in den kommenden Monaten relativ einfach be- oder entkräftet werden dürfte, ist die Manipulation des Referenzpreises (Benchmark) durch die sogenannten Bullion-Banken, die das Preis-Fixing vornehmen. Bank of Nova Scotia, Barclays (BARC 178.96 +2.56%), HSBC (5 369.75 +2.97%), Société Générale (GLE 24.92 +2.1%) und Deutsche Bank (DBK 10.23 +1.33%) legen zweimal täglich an einer Telefonkonferenz den Kassapreis (Spot) für das edle Metall fest. Im Januar hat die Deutsche Bank angegeben, sich vom Fixing zurückzuziehen – das Institut verkleinert sein Rohstoffgeschäft massiv.

Der Verzicht dürfte aber noch einen weiteren Grund haben: Die deutsche Aufsichtsbehörde BaFin hat Mitte Dezember von der Deutschen Bank Dokumente ­verlangt – vor dem Hintergrund einer Untersuchung über die Manipulation des Goldpreises. Das BaFin hat also nicht nur die Referenzzinsen Libor und Euribor im ­Visier, sondern die Festsetzung von Benchmark-Preisen allgemein. Der Vorwurf des manipulierten Preis-Fixing wiegt schwer und kann nicht als Gespinst von Verschwörungstheoretikern abgetan werden. Vergangene Woche ist auch bekannt­geworden, dass ein New Yorker Goldhändler die fünf am Fixing beteiligten Banken mit einer Sammelklage konfrontiert.

Goldman Sachs am Pranger

In den glaubwürdigeren Gerüchten wird als Hauptmanipulator des Goldpreises meist die Grossbank Goldman Sachs (GS 375.84 -0.61%) angeprangert,

sie ist einer der wichtigsten Marktteilnehmer. Im vergangenen April, als sich die Baisse von Gold (Gold 1'776.30 +0.1%) mit einem markanten Preiseinbruch akzentuierte, publizierte Goldman Sachs einen viel beachteten Report mit dem Preisziel von 850 $ pro Unze. Damals notierte Gold um 1600 $. Die Grossbank teilte sämtlichen Brokern und Hedge Funds in New York mit, der Goldpreis werde massiv fallen, und forderte sie auf, die physischen Goldpositionen ihrer Kunden aufzulösen und Goldfondsanteile zu verkaufen.

Mit dieser Aktion habe Goldman Sachs das Ziel verfolgt, den Preisdruck nach unten zu verstärken. Ausgelöst wurde er durch einen konzertierten Verkauf einer riesigen Menge an Terminkontrakten (Futures) Mitte April. Der oder die Urheber sind nicht bekannt.

Das systematische Herabdrücken des Goldpreises führe dazu, dass Anleger aus physisch hinterlegten Goldfonds und ähnlichen Produkten aussteigen. Somit können die Bullion-Banken hohe Anteile an diesen Fonds akkumulieren und das physische Gold aus den Fonds abziehen. Dieses benötigen sie, um die Nachfrage nach Edelmetall aus Asien zu decken. Könnten sie diesen asiatischen Bedarf nicht erfüllen, würde der Goldpreis explodieren.

Immer das Fed

Zwei ebenfalls eher glaubwürdige Gerüchte drehen sich um die US-Notenbank.

Was hat das Fed mit dem Goldpreis zu tun? Mit ihrer Geldpolitik beeinflusst die amerikanische Zentralbank die internationalen Finanzmärkte und die Bewertungen der verschiedenen Anlageklassen massgeblich. Sie steuert das Verhalten der Investoren und eben auch den Goldpreis, denn die realen Zinsen sind der wichtigste Einflussfaktor für die Goldnotierungen.

So weit, so gut. Doch sie soll auch gezielt – über bestimmte Banken – am Goldmarkt intervenieren, um den Preis zu drücken. Das tue sie, um zu verhindern, dass hohe Goldpreise einen psychologischen Trigger auslösen und Aktien und Bonds in den Keller schicken, sowie um den Dollar nicht allzu stark abwerten zu lassen.

Über Grossbanken betreibe das Fed an der Comex, der weltgrössten Terminbörse für Gold-Futures, ungedeckte Leerverkäufe (Short Selling) in grossem Stil. Unterstützt werde es dabei durch den Verkauf physischen Goldes in London. Das drücke den Goldpreis in die Tiefe und verunsichere die Goldinvestoren. Kritische Stimmen monieren, nur so sei erklärbar, dass der Goldpreis oftmals just dann sinke, wenn er aufgrund fundamentaler Faktoren eigentlich steigen sollte.

Kritiker erwarten überdies den Zusammenbruch des Börsenhandels, denn es gibt viel mehr Gold-Futures als Goldbarren in den Lagerhäusern der Comex. Dieser Leverage habe ein derart hohes Niveau erreicht, das es zu massiven Lieferproblemen komme, denn es werde nicht mehr möglich sein, für die ausstehenden Futures genügend Gold auszuliefern. Das Volumen der ausstehenden Terminkontrakte habe nichts mehr mit der Menge des physisch verfügbaren Goldes zu tun.

Analysten entgegnen, diese Befürchtung sei völlig unbegründet. Ein Futures werde meist mit einem Gegengeschäft glattgestellt, bevor er ablaufe. Spekulanten, die mit Futures auf den Goldpreis wetten, wollen physisches Gold weder liefern noch erhalten. Anderseits erklärte der Marktstratege Dylan Grice im vergangenen Frühling zur Gefahr eines Kollapses an der Comex: «Mich würde nichts überraschen.» Er beobachte die Finanzmärkte lange genug, um zu wissen, dass hin und wieder verrückte Dinge geschähen.

Gar kein Gold mehr

Der Klassiker unter den Gerüchten ist der Vorwurf, das Fed besitze gar kein Gold mehr. Die Notenbank habe mehr Goldkontrakte vergeben und Gold verkauft, als sie physisch besitze. Der «Beweis»: Vor mehr als einem Jahr hat die deutsche Bundesbank die Rückführung von 300 Tonnen ihrer Goldreserven aus den USA und 374 Tonnen aus Frankreich verlangt, bis 2020. Doch binnen Jahresfrist seien bloss 37 Tonnen repatriiert worden, 32 Tonnen von der französischen Zentralbank und nur gerade 5 Tonnen aus New York.

Auf die Frage, wieso die Rückführung so lange dauere, reagieren Vertreter der Bundesbank genervt, wie aus verschiedenen Quellen zu hören ist. Sie erklären, der Transport aus Paris sei einfacher und sei deshalb zuerst angegangen worden. Zudem müssten die in den USA gelagerten Barren zuerst umgeschmolzen werden, und die Kapazität der Schmelzen sei schliesslich begrenzt.

Das deutsche «Handelsblatt» meldete im Februar, die Bundesbank habe wegen der Unfähigkeit oder des Unwillens des Fed, das Gold zurückzugeben, den ursprünglichen Rückführungsplan aufgegeben. Auch Bank of England hat anscheinend Probleme mit Goldlieferungen.

Wie dem auch sei, es dürfte höchst interessant sein zu beobachten, was passiert, wenn immer mehr physisches Gold nach Asien fliesst und das Angebot physischen Goldes im Verhältnis zu den ausstehenden Papierkontrakten im Westen knapper wird.

Für Anleger sind die Gerüchte um den Goldmarkt jedoch weitgehend irrelevant. Sie können nicht entscheiden, was wahr ist und was nicht – und deshalb mit ­solchen Informationen wenig anfangen. Verschiedene Goldexperten empfehlen deshalb, die Gerüchte zu ignorieren.

Anmerkung: Was ist Ihre Meinung? Wird der Goldpreis manipuliert? Hier geht es zur FuW-Online-Umfrage.

Leser-Kommentare

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Adrian Fiechter 12.03.2014 - 08:49

Und wo genau liegt nun das Gold der SNB ?
Wer ist für die jährliche Revision der Menge wirklich verantwortlich ?
Wer genau führt diese physischen Kontrollen ( nicht Papiere ) durch ?
Fragen über Fragen.
Gruss,
Adrian Fiechter

Michael Gerstenberg 14.03.2014 - 18:18
Wäre für Deutschland ein schöner Spass, wenn sich herausstellt, das der Bestand, oder grosse Teile davon garnicht mehr dort verwaltet werden, wo man das vermutet. Vielleicht ist es ja weg! Bezeichnend auch wie wenig sich die heute so einflussreiche Presse diesem Thema widmet. Interessant wer ggf. die Verantwortung für diesen Skandal trägt und wieviel Jahre Knast es für diese Gleichgültigkeit… Weiterlesen »