Unternehmen / Ausland

IPO-Markt ist eingebrochen

Wegen des Kriegs traut sich keiner mehr an die Börse. Die Kandidaten-Pipeline wäre voll.

Die durch die Ukraineinvasion verstärkte Unsicherheit und Volatilität hat den Markt für Börsengänge (IPO, Initial Public Offering) einbrechen lassen. Auch in der Schweiz: Ausser dem Biotech-Unternehmen XLife am KMU-Segment der SIX hat sich dieses Jahr noch keine einzige Gesellschaft aufs Börsenparkett gewagt. Exemplarisch: Diese Woche hat ABB angekündigt, den Entschluss, das Turbolader-Geschäft (Acelleron) auszugliedern und an die Börse zu bringen, auf Mitte Jahr aufzuschieben. Am Plan, den Bereich E-Mobilität im zweiten Quartal zu kotieren, hält der Konzern vorläufig fest.

Auch international herrscht Flaute. Gemäss Daten von Dealogic sind die globalen Emissionsvolumen mit bisher knapp 50 Mrd. $ im Vergleich zum Vorjahr um drei Viertel zurückgegangen. Sie bewegen sich damit etwa auf dem Niveau der Zeit während der ersten Coronawelle Anfang 2020. Besonders in Nord- und Südamerika, aber auch in Europa ist die IPO-Aktivität nahezu zum Erliegen gekommen. Einzig in Asien wurden mit dem koreanischen Batterieanbieter LG Energy Solutions und dem Solarspezialisten Jinko Solar in Schanghai zwei nennenswerte Börsengänge durchgeführt (vgl. Tabelle).

Dabei wären die Voraussetzungen für ein gutes IPO-Jahr in der Schweiz gegeben gewesen. Noch im Januar gingen die Investmentbanker der Credit Suisse davon aus, dass sich die Listing-Volumen an der SIX 2022 weiter vergrössern würden. Denn in der Schweiz war 2021 mit fünf Börsengängen und dem Listing einer Spac auch unter Berücksichtigung des Coronaeinbruchs ein eher durchschnittliches Jahr. International wurden mit 60% mehr Börsengängen und 70% höheren Emissionsvolumen Rekorde gebrochen. So erstaunt wenig, dass acht Schweizer Unternehmen – darunter der Schuhhersteller On und Sportradar – ihr Börsendebut in den USA gaben.

Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Mit Blick auf die Kandidatenliste könnte 2022 immer noch zu einem guten IPO-Jahr werden. Die Pipeline wäre jedenfalls gut gefüllt: Mit der Dermatologiespezialistin Galderma, ABB E-Mobility, dem Chemieunternehmen Cabb und Sandoz stehen so attraktive Kandidaten in den Startlöchern wie seit Jahren nicht mehr. Voraussetzung für diese Börsengänge ist aber, dass die aktuell hohe Marktvolatilität abnimmt. Denn grosse Schwankungen sind Gift für die Preisfindung von Neukotierungen. Deshalb wird in turbulenten Zeiten bevorzugt darauf verzichtet.

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