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Der Käuferstreik an der Börse

Die Fondsmanager horten Cash und verabschieden sich von Aktien. Grund dafür ist ihre negative Sicht auf die Wirtschaft.

Alexander Trentin

Es ist ein «grosser, fetter Käuferstreik» – so titeln die Analysten von Bank of America (BAC 28.18 1.51%) Merrill Lynch die Ergebnisse ihrer monatlichen Umfrage unter professionellen Investoren. Tatsächlich halten die Fondsmanager im historischen Vergleich sehr wenig Aktien. Dagegen sind die Cash-Positionen aktuell hoch.

Konjunktursensitive Titel wie Energie und Industrie werden untergewichtet. Defensive Sektoren wie Gesundheit und Immobilienfonds (REIT) sind dagegen in Mode. Die Analysten sehen angesichts des Trends gar Hinweise darauf, dass das Szenario einer «säkularen Stagnation» – eines langanhaltend schwachen Wachstums mit niedriger Inflation – bei den Investoren um sich greift.

Der Anteil von Investoren, die Aktien übergewichten, ist gar so klein wie seit September 2016 nicht mehr. Seit Anfang 2018 geht die Übergewichtung in Aktien zurück. Und das, obwohl die Börse im Januar eine gute Performance eingebracht hat.

Immer mehr Fondsmanager glauben, dass der US-Aktienindex S&P 500 (SP500 2826.06 0.14%) sein Höchst schon im vergangenen Jahr überschritten hat. Vor vier Monaten haben das nur ein Zehntel der Befragten geglaubt, jetzt ist der Anteil auf ein Drittel nach oben geschnellt. Nur 15% der Investoren erwarten nun, dass die amerikanischen Titel noch 14% oder mehr steigen können.

Spiegelbildlich zur sinkenden Aktienallokation haben die Fondsmanager ihren Cash-Bestand massiv ausgeweitet. Der Anteil von Befragten, die ihren Liquiditätsbestand übergewichten ist so hoch wie zuletzt im Nachgang der Finanzkrise im Januar 2009.

In monatlichen Vergleichen wurden Aktien, insbesondere Energietitel, abgebaut. Auch Rohstoffe sind weniger präferiert. Dagegen scheinen Aktien der Eurozone und britische Titel – trotz des weiterhin nicht verhandelten Deals zum Brexit – deutlich beliebter.

Das Muster einer säkularen Stagnation sieht man in der Frage nach dem wahrscheinlichsten Szenario zur weiteren wirtschaften Entwicklung. Erstmals seit Mitte 2017 ist ein schwaches Wachstum mit schwacher Inflation nun öfter als wahrscheinlicher Ausblick genannt als relativ hohes Wachstum mit schwacher Inflation.

Seit Dezember ist das Stagnationsszenario im Aufwind. Es ist so populär wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Zum schlechten Wirtschaftsausblick passt, dass die allermeisten Fondsmanager für die Aussichten der Unternehmensgewinne über die nächsten zwölf Monate weiterhin pessimistisch eingestellt sind. Doch erstmals seit Mitte 2018 ist eine Trendumkehr zu beobachten. Der Anteil der Pessimisten ist leicht gesunken.

Angesichts der schlechten Wirtschafts- und Gewinnaussichten ist es nicht verwunderlich, dass sich die Befragten wenig für hochverschuldete Unternehmen begeistern können. Die meisten wollen, dass Firmen ihren Cash-Bestand nutzen, um Schulden abzubauen und ihn nicht investieren oder an die Aktionäre ausschütten.

Als grösstes Extremrisiko in diesem schon schlechten Wirtschaftsausblick wird seit knapp einem Jahr immer der Handelskrieg genannt. Mehr Befragte sehen auch die Konjunkturabkühlung in China als ein mögliches Problem. Als drittgrösstes Risiko wird ein «Corporate Credit Crunch» gesehen – die Gefahr, das Unternehmen nicht mehr an Kredite kommen.

Dagegen haben die Investoren viel weniger Angst vor einem «Quantitative Tightening» – also den negativen Auswirkungen eines Abbaus der Notenbankbilanzen. Zuletzt hat die US-Notenbank Fed ihren Zinserhöhungszyklus ausgesetzt. Die Anleger sehen die Zentralbanken also nicht mehr als ihren Feind.

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