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Zum Thema: Die Konsolidierung bleibt hindernisreich

«Der Kunde will mitreden können»

Ray Soudah, der Chef des auf Übernahmen spezialisierten Beratungsunternehmens Millenium, über die Schwierigkeiten der Banken, sich strategisch neu aufzustellen.

So bald werde es keine grossen Übernahmen im Schweizer Banking mehr geben, glaubt Soudah. Jetzt kämen kleine Deals.

Herr Soudah, mit dem Verkauf von Coutts an UBP verschwindet ein weiterer grosser Name vom Finanzplatz.  Wann hört die Flucht der ausländisch beherrschten Institute aus der Schweiz auf?
Die Coutts-Transaktion ist insofern typisch, als sie mit den Veränderungen des Private Banking in der Schweiz eigentlich überhaupt nichts zu tun hat.

Das müssen Sie erklären.
Der Verkauf von Coutts ist das Resultat von speziellen Umständen, die die Muttergesellschaft betreffen. Das war bei den meisten Transaktionen, die wir gesehen haben, der Fall:  HSBC (5 748.4 0.65%), BSI, Sarasin, ING (INGA 15.85 0.79%) und ABN. Die Mutterhäuser waren zu einer Refokussierung der Strategie gezwungen worden.

Also ist nicht die fundamentale Änderung Richtung Steuertransparenz der Auslöser?
Die Royal Bank of Scotland steht seit der Finanzkrise in Staatsbesitz. Infolgedessen konzentriert sie sich auf den heimischen Markt und stösst das Nicht-Kerngeschäft ab. Die Auktion der Schweizer Private-Banking-Einheit Coutts ist eine von vielleicht zwanzig Massnahmen, die aus dem Strategiewechsel resultieren. Das ist eine britische Angelegenheit und keine schweizerische.

Dann hätte gar keine Notwendigkeit bestanden, Coutts zu verkaufen?
Eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit für den Verkauf von Coutts bestand nicht. Coutts hat in den letzten Jahren restrukturiert und investiert, beispielsweise in die Informatik.

Dennoch war es nicht möglich, die Bank als Ganze zu verkaufen. Wieso nicht?
Eine ganze Bank zu integrieren, ist viel aufwendiger als ein ausgesuchtes Portefeuille. Auch für Coutts gilt der Grundsatz: Man kann eine Privatbank nicht einfach so als Ganzes verkaufen. Die meisten Käufer wollen keine zusätzlichen Rechts- oder Imageprobleme.

Was kommt nun?
Wir erwarten keine ganz grossen Transaktionen im Schweizer Bankenmarkt in den nächsten ein bis zwei Jahren.

Das Gerücht, wonach die grossen Töchter der französischen Banken sich zurückziehen könnten, hält sich allerdings seit Jahren hartnäckig.
Wieso sollten die französischen Banken verkaufen? Die Muttergesellschaften sind jetzt sehr stabil. Die Vermögen sind weitgehend regularisiert. Es gibt keinen Grund für die französischen Banken, die fundamentale Strategie zu ändern, bei der die Schweizer Töchter eine wichtige Rolle spielen.

Was würden Sie von einem Zusammengehen von Bär und Credit Suisse halten?
Eine solche Transaktion würde massiv Wert vernichten. Die kombinierte Einheit wäre weniger wert als die Summe der beiden.

Sie erwarten eher kleinere Transaktionen?
Es finden Transaktionen statt, aber im Stillen. Die Banken repositionieren sich, denn sie müssen im neuen regulatorischen Umfeld die Anzahl Märkte reduzieren, die sie bedienen. Das betrifft sowohl schweizerische wie ausländisch beherrschte Institute.

Gibt es einen Trend?
Die Strategien sind unterschiedlich. Zum Glück wollen nicht alle Banken aus denselben Märkten aussteigen. Das eröffnet Chancen. Die betroffenen Vermögen sind jedoch enorm. Praktisch jedes Institut definiert diejenigen Offshore-Märkte und Kundenprofile, die künftig noch bedient werden können. Auch gute Märkte müssen von einzelnen Banken aufgegeben werden. Verkäuflich sind allerdings nur steuerkonforme Gelder.

Um welche Grössenordnung geht es?
Wir gehen davon aus, dass 5 bis 10% der internationalen privaten Vermögen in der Schweiz und auf europäischen Finanzplätzen eine neue Heimat suchen müssen. Das wären mehr als 250 bis 500 Mrd. Fr. Nimmt man die Vermögen hinzu, die weltweit gebucht sind, kommt man auf 1000 Mrd. Fr., die eine neue Bleibe suchen.

Was steht Transaktionen entgegen?
Der Kunde will mitreden. Er hasst es, mit seinem Vermögen vor vollendete Tatsachen gestellt und verkauft zu werden. Viele Transaktionen führen deshalb zu hohen Vermögensabflüssen. 30 bis 45% sind keine Seltenheit. Wenn der Kunde jedoch in den Entscheid involviert wird, ist er auch bereit, allein oder gemeinsam mit seinem Berater zum Käufer zu wechseln.

Wie läuft Ihr Programm Catch, das den Austausch bzw. die Übertragung von Kunden erleichtern soll?
Wir spüren ein deutlich gesteigertes Interesse. Dieser für Kunden und Mitarbeiter transparente Prozess findet Anklang, weil allen klar geworden ist, dass sowieso jeder einzelne Kunde vor dem «Onboarding», dem Übertrag, analysiert werden muss.