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Märkte / Rohstoffe

Der lange Weg des Rohöls

Täglich brauchen wir Erdölprodukte. Doch woher stammt das schwarze Gold, und was passiert nach der Bohrung?

Erdöl ist der Treiber der Weltwirtschaft. Ohne den fossilen Energieträger wären die technologischen Errungenschaften seit Beginn des 21. Jahrhunderts undenkbar gewesen. Ob als Treibstoff im Auto, zum Heizen und Kochen oder in der Form von Kunststoff und Teer, das moderne Leben basiert auf dem Kohlenwasserstoffmolekül.

Heute ist Rohöl der meistgehandelte Rohstoff weltweit. Mehr als 90 Mio. Fass des schwarzen Goldes werden täglich aus dem Boden gepumpt, verladen und in Raffinerien zu den verschiedensten Produkten verarbeitet. Doch der Weg von der Förderung in der sibirischen Tundra zur Tankstelle in der Schweiz ist lang.

In seiner Rohform ist das Öl vor allem unter den Bezeichnungen Brent (Brent 52.662 3.47%) und West Texas Intermediate (WTI (WTI 48.44 2.98%)) bekannt. Diese Sorten haben sich zu den Referenzpreisen am internationalen Energiemarkt entwickelt. Es sind aber nur zwei von Hunderten Sorten weltweit. Je nach Region und Bohrstelle unterscheidet sich die chemische Zusammensetzung des organischen Materials markant.

Leichtes, süsses Erdöl, wie es unter anderem in der Nordsee oder in Teilen der USA vorkommt, ist wegen der einfacheren Verarbeitung teurer.

Rohöl aus Saudi-Arabien, Kuwait und dem Iran ist dagegen etwas schwerer und saurer, was sich in höheren Verarbeitungskosten und einem tieferen Preis spiegelt. Noch günstiger ist venezolanisches, kanadisches und mexikanisches Öl.

Die Länder im Nahen Osten verfügen über sehr grosse und einfach zugängliche Ölfelder. Das verringert die Produktionskosten. Ein Drittel des globalen Bedarfs wird durch Erdöl aus diesen Ländern gedeckt. Mehr als die Hälfte des geförderten Öls wird nicht im Förderland raffiniert. Das globale Handelsvolumen beträgt deshalb gut 50 Mio. Fass pro Tag.

Wann immer möglich wird Rohöl verschifft. 2015 machte der Öltransport auf dem Wasserweg gemäss dem französischen Institut für Seetransport Isemar knapp 20% des globalen Seehandels aus. Die meistgenutzten Schiffrouten liegen im Nahen Osten. Vom Roten Meer über die Meerstrasse von Bab al-Mandab oder vom Persischen Golf durch die Meerenge von Hormus fahren die Tanker in die USA, nach Asien und Europa.

Aus logistischen Gründen wird der Grossteil des Rohöls aber auf dem Land wegtransportiert. Die günstigste und sicherste Variante sind Pipelines. Insbesondere in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, aber auch in den USA durchziehen grosse Ölleitungen das Land. Das längste Röhrensystem dieser Art, die Druzhba, misst insgesamt 4000 Kilometer und verbindet den Osten Russlands mit Raffinerien in ganz Eurasien.

In seiner ursprünglichen Form kann man Rohöl nicht zur Energiegewinnung nutzen. Je nach Verwendungszweck werden spezifische Kohlenwasserstoffverbindungen benötigt. Dafür wird das ursprüngliche Produkt in Einzelteile zerlegt und weiter verarbeitet. Dieser Vorgang wird Raffination genannt. Unter Hitze und Druck werden dabei die komplexen Moleküle voneinander getrennt und in kleinere aufgespalten. Je effizienter die Anlage, desto hochwertiger das Endprodukt.