Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nachhaltig investieren

Der Luftikus vom 2. November 2019

Finanzminister Ueli Maurer führt das Thema Nachhaltigkeit oft ins Ausland. Nächstes Reiseziel ist Russland.

«Politik muss Freude und Spass machen!», sagte Ueli Maurer in seiner Antrittsrede zum Bundespräsidenten 2019. «Es wäre schön, wenn wir gemeinsam in diesem Jahr etwas Spass und Vergnügen ausstrahlen würden.» Freude hat der Achtundsechzigjährige offenbar am Reisen. Grössere Ausflüge führten ihn heuer nach China, in die USA, und gerade kommt er von einem Trip in die Golfregion zurück.

Im April besuchte er den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping mit dem Ziel, für den Schweizer Finanzplatz an der Seidenstrasse etwas Wegzoll herauszuholen. Zudem sollte eine separate Vereinbarung über Menschenrechte getroffen werden – im Frühjahr sorgte die Unterdrückung der Uiguren für internationale Kritik – womit Maurer aber offenbar scheiterte.

Etwas unverblümter gab sich der Präsident bei seiner nächsten Überseereise, die ihn zum US-Präsidenten führte. Mit Donald Trump ging es unter anderem um den Iran, wo die beiden nach dem Ruag-Slogan «Together Ahead» zusammen vorwärtskommen wollen. Den Sommer über liess Maurer es etwas ruhiger angehen und strahlte im Wahlkampf etwas Freude für seine Partei aus. Ende September sprach er dann an der Uno-Generalversammlung in New York. Hauptthemen waren der Klimawandel und diverse politische Konflikte. Der Schweizer Bundespräsident aber beschäftigte sich in seiner Ansprache mit der Digitalisierung: «Unsere Welt braucht mehr technologischen Fortschritt sowie Innovationen und weniger Ideologie.»

Um «Innovationen» ging es auch bei Maurers Reise in die Golfregion diese Woche. An der Investorenkonferenz in Riad standen Innovationen im Energiesektor auf der Agenda und die Frage, wie «innovative Ölfirmen» die wachsende Nachfrage decken könnten. Maurer traf auch den saudischen Kronprinzen bin Salman. Beim Gespräch sei es unter anderem um die «nachhaltige Finanzierung» gegangen. Noch vor einem Jahr, kurz nach dem Tod des regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi, wäre ein solches Treffen nicht in Frage gekommen. Doch Khashoggi ist inzwischen schon recht nachhaltig tot.

Maurers Präsidial- und Reisejahr dauert nicht mehr lang. Eine grosse Reise steht aber offenbar noch an. Die «NZZ» berichtet, der Präsident möchte im November noch Wladimir Putin besuchen. Gemeinsamkeiten haben sie: Auch der Herr im Kreml hat Spass an der Politik und interessiert sich für Nachhaltigkeit, insbesondere die nachhaltige Versorgung mit russischem Öl und Gas. Damit das Treffen auch was die klimatischen Bedingungen betrifft Freude und Lust macht, könnten Maurer und Putin nach Saudi-Arabien reisen. Xi baut die grüne Strasse dahin. Und vielleicht kommt auch Trump dazu. Ein paar Truppen hat er ja schon in die Wüste geschickt.

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