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Luftikus

Der Luftikus

Verschärfen Rohstoffkonzerne ihre Nachhaltigkeitsziele, wirft das Fragen auf.

Ein beeindruckendes Dokument ist dieser Tage in meinem Posteingang gelandet. Der Rohstoffkonzern Glencore (GLEN 369.00 +2.77%) hat seinen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Dieser ist voller Daten, Tabellen und Diagramme, die Aufschluss liefern sollen über die Folgen der Geschäftstätigkeit des Unternehmens für Umwelt und Gesellschaft in den Ländern, in denen es vertreten ist.

So sauber wie in diesem 154-seitigen Dokument hat Rohstoffförderung in der Tat noch kaum jemals ausgesehen. Die abgebildeten Förderanlagen glänzen, zufriedene Mitarbeiter und Menschen, die in irgendeiner Weise von Hilfsmassnahmen des Konzerns profitieren, strahlen um die Wette. Dazwischen das Top-Management von Glencore, das in Anzug und Krawatte die selbst gesteckten Nachhaltigkeitsziele erläutert. 

Um 5% sei im vergangenen Jahr das Ziel bei der Co2-Reduktion übertroffen worden, ist da zu lesen. Und CEO Ivan Glasenberg, der im Juni seinen Posten an Gary Nagle abgibt, will sogar noch klimafreundlicher werden. Bereits im Dezember hatte der Konzern mit Domizil in Baar (ZG) angekündigt, bis 2035 seinen Co2-Ausstoss um 40% gegenüber dem Niveau von 2019 zu verringern. Für die Zeit danach strebt er an, bis 2050 klimaneutral zu werden. 

Das wirft Fragen auf. Noch vor einem Jahr nannte Glasenberg ein Klimaziel bis 2050 noch Wischiwaschi, wie die Kollegen von der NZZ (NZZ 6'725.00 +0.37%) berichteten. Doch inzwischen betont er immer wieder, dass der Konzern als einziger Bergbaumulti seine Emissionen bis dann auf netto null reduzieren will. 

Auch sieht sich Glencore besser als viele ihrer Konkurrenten in Bezug auf die Energiewende positioniert. Tatsächlich ist sie ein wichtiger Produzent von Kupfer, Nickel und Kobalt. Diese Metalle werden in Batterien und Elektroautos verbaut. Und auch wenn die Förderung dieser Rohstoffe unter dem Strich vielleicht weniger energieintensiv ist als die von Kohle (Kohle 131.10 +2.02%) oder Eisenerz, haben sie doch auch Schäden für die Umwelt zur Folge. Ich erinnere nur an die Kupfermine Mopani in Sambia, die der Rohstoffmulti Anfang Jahr nach grossen Schwierigkeiten zurück an den staatlichen Bergbaukonzern verkauft hat. 

Wie gross der wirtschaftliche Anreiz für Glencore ist, die Klimaziele tatsächlich zu erfüllen, ist fraglich. Das Geschäft mit Kohle etwa hat für den Konzern immer noch einen hohen Stellenwert. Das zeigt schon der Blick auf den Branchenvergleich: Bei Glencore hat Kohle einen Anteil von 23% am Rohstoffmix, bei dem nächstgrössten Konkurrenten Anglo American sind es 19% und bei BHP Billiton (BHP 29.14 +1.53%) 18%. Und Glencore hofft bereits auf eine lang anhaltende Phase steigender Rohstoffpreise, einen sogenannten Superzyklus. Die möglichen Klimaschäden? Wären alles andere als Wischiwaschi.