Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nachhaltig investieren
Luftikus

Der Luftikus vom 23. September 2020

Wenn nachhaltiges Anlegen zum Standard wird, sollte auch transparent gemacht werden, wer den Zusatzaufwand bezahlt.

Nachhaltig zu investieren wird Mainstream. Das Thema werde immer wichtiger und als Teil des Anlageprozesses bald Industriestandard sein, prophezeit die Vermögensverwalterin Sybille Wyss. Die UBS (UBSG 12.94 +0.35%) sieht das genauso und reagiert mit einer Nachhaltigkeitsoffensive. Anfang Monat hat die grösste Schweizer Bank kommuniziert, dass alle UBS-Vorsorgefonds auf Nachhaltigkeit umgestellt werden. Und seit letzter Woche werden allen Privatkunden in erster Linie Investments angeboten, die ESG-Kriterien erfüllen. Damit wird die nachhaltige Anlageform bei der UBS zum Standard. Wer das nicht will, muss sich aktiv wehren.

Das erinnert mich an die Umstellung der Stadtzürcher Elektrizitätswerke (EWZ) vor etwas mehr als zehn Jahren. Damals erhielten alle Stromkunden in der grössten Schweizer Stadt ein Schreiben, fortan werde standardmässig Strom aus Wasserkraft geliefert. Wer hingegen weiterhin Atomstrom beziehen wollte, musste das schriftlich mitteilen. So wurden mit einem Schlag etwa 80% der Zürcher zu Ökostromkunden. Nur 12% wählten gemäss Recherchen der NZZ (NZZ 5'200.00 +0.97%) aktiv, den alten Atomstrommix zu behalten – der Rest optierte für teuren Solarstrom.

Für die Umwelt mag eine solche Taktik erfreulich sein. Aus Konsumentensicht ist es jedoch fragwürdig, wenn ein Produkt angeboten wird, gegen das man sich aktiv wehren muss. Störend ist ein solches Vorgehen dann, wenn der träge Konsument nicht nur zu einem ökologischeren Produkt «geschubst» wird, sondern auch zu einem teureren. Damals, bei der Umstellung der EWZ, war das nicht direkt der Fall. Der neue Standardstrom war nur noch 0,5 Rappen pro Kilowattstunde teurer als Atomstrom – was jedoch den Verdacht nährte, dass zuvor zu hohe Preise verlangt worden waren.

Bei der Umstellung der Vorsorgefonds auf die Sustainability-Produktgruppe versichert UBS, dass die Verwaltungsgebühren unverändert bleiben. Das klingt schön und gut. Aber wie im Fall der EWZ-Umstellung kommt auch hier der Verdacht auf, dass die Gebühren bislang zu hoch gewesen sind – oder aber die Vorsorgefonds werden von anderen Einheiten der Gruppe quersubventioniert. Denn gratis ist eine seriöse Prüfung der Anlagen auf ESG-Kriterien nicht. Dieses Problem betrifft nicht nur die UBS, sondern die ganze Branche. Irgendjemand muss für den Zusatzaufwand der Nachhaltigkeitsanalysen aufkommen. Deshalb dürfen die Gebühren für ESG-Produkte ruhig auch etwas höher sein. Der Kunde kann dann selbst entscheiden, ob sie es ihm Wert sind.

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