Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nachhaltig investieren
Zum Thema: Asset-Manager werden aktive Aktionäre

Der Luftikus vom 26. August 2020

Nachhaltige Anlagen haben sich in der Krise besser geschlagen als traditionelle. Doch bei dieser Erkenntnis ist Vorsicht geboten.

Punktsieg für nachhaltige Anlagen. Diese haben zwar auch in der Coronakrise Federn gelassen. Doch haben Anlagen, die auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) fokussieren, besser performt als Anlagen, die es nicht tun. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Asset-Managers Invesco hervor. Insbesondere, als im März die Märkte in beispielloser Schnelligkeit einbrachen, sollen sich ESG-Werte stabil entwickelt haben. So konnten sie laut Invesco Verluste in den Gesamtportfolios begrenzen.

Auch der grösste Verwalter von Privatvermögen der Welt stellt diese Entwicklung fest. Der Private-Banking-Chef Schweiz von UBS (UBSG 12.94 +0.35%), Anton Simonet, hat auch eine Erklärung dafür parat: «Es liegt zum einen daran, dass sich die Kunden zuvor oft aus Überzeugung für diese Anlagen entschieden haben, und sich auch in Schwächephasen nicht sofort von ihnen trennen», sagt Simonet. Zum anderen würden sich unter diesen Anlagen verstärkt Aktien und Anleihen von Unternehmen befinden, die in der jetzigen Krise nachgefragt werden, wie einige digitale Gesellschaften oder Life-Science-Unternehmen. «Eine Modeerscheinung ist nachhaltiges Anlegen keineswegs, die Investitionen darin werden weiter zunehmen», sagt Simonet. 

Auch auf Emittentenseite steigt das Interesse. Die Experten der Investmentbank Morgan Stanley (MS 64.39 +0.58%) schreiben in einer aktuellen Studie von einer merklichen Zunahme an Green Bonds, also Anleihen, deren eingesammelte Mittel von den Unternehmen in nachhaltige Investitionen gesteckt werden. Die Banken würden die Instrumente gegenüber ihren Unternehmenskunden stark bewerben und erhöhen auf der anderen Seite die Finanzierungshürden vor allem für Kohleförderer und Kohleverarbeiter spürbar. Auch, weil Behörden und Regulatoren ihnen in dem Bereich neue Vorgaben zu machen drohen. 

Aber Achtung. Anleger sind gut beraten, im Dschungel an ESG-Etiketten genau hinzuschauen. Geschmückt hat man sich als Anbieter schnell damit, ob man es wirklich ist, bleibt dahingestellt. Und zudem darf man vor dem Hintergrund der jetzigen Krise nicht den einfachen Kurzschluss «nachhaltig gleich immer krisenfest» ziehen. Davor warnt auch UBS-Mann Simonet, und die Studienautoren von Invesco werden zitiert mit: «Wir wollen die Ergebnisse dieser kurzfristigen Studie keinesfalls überbewerten.» Dennoch ist es gut zu sehen, dass das alte Vorurteil – sauberere und ethischere Anlagen gleich weniger Rendite – zumindest aktuell widerlegt worden ist.

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