Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nachhaltig investieren
Zum Thema: Klimabewusst durch das SPI-Universum

Der Luftikus vom 27. August 2019

Der Luftikus äussert sich zu bizarren Finanzprodukten.

Nachhaltig und Bio verkauft sich gut. Das gilt nicht nur im Supermarkt, sondern auch bei Finanzprodukten. Dieser Trend nimmt immer bizarrere Formen an. So wird in den kommenden Tagen der erste kotierte Indexfonds (Exchange Traded Fund, ETF) für Veganer auf den Markt kommen. Es gibt halt wirklich nichts, was es nicht gibt. Der US Vegan Climate ETF mit dem passenden Ticker VEGN soll ab dem 10. September an der New Yorker Börse zum Handel zugelassen sein.

Auch beim Marketing übertreffen sich die Anbieter immer wieder aufs Neue: «cruelty-» und «fossil-free» sei die Anlage, also frei von Grausamkeit und fossilen Brennstoffen. Mit dem ETF hätten alle, denen Tiere und das Überleben des Planeten am Herzen liegt, endlich die Möglichkeit, ohne ethische Bedenken am Aktienmarkt zu investieren, preist der Anbieter Beyond Investing die Innovation.

«Unser Ziel ist es, Veganern und Tieraktivisten zu helfen, Schmerz aus den Portfolios zu entfernen», heisst es in der Medienmitteilung weiter. Doch wer glaubt, Beyond Investing denke nur an des Wohl der Tiere und der kommenden Generationen, wird eines Besseren belehrt. «Da wir Menschen so sehr lieben wie Tiere, werden die Unternehmen auch auf Rüstungsgeschäfte und die Einhaltung der Menschenrechte geprüft.»

Es sind hehre und hohe Ziele, die der ETF verfolgt. Rocket Science bekommen vegan anlegende Amerikaner aber mit diesem Produkt nicht: Der passive Fonds funktioniert nach dem simplen Ausschlussprinzip. Als Grundlage nimmt er einen Index mit den 500 grössten US-Aktien und schliesst dann alle Unternehmen aus, deren Aktivitäten nicht mit einem veganen, klimabewussten und menschenfreundlichen Lebensstil vereinbar sind. Laut eigenen Angaben werden so derzeit 43 Titel aussortiert. Na ja, so eng sehen es die Macher hinter dem ETF anscheinend doch nicht, auch wenn sie selbst einen veganen Lebensstil verfolgen. Dafür halten sich auch die Gebühren von 0,6% im Rahmen, zumindest aus Schweizer Sicht.

Ein ähnliches Produkt ist mir in der Schweiz bisher noch nicht begegnet. Es würde mich aber interessieren, welche SPI-Unternehmen nach dem schmerz- und fossilfreien Filter ausgeschlossen werden müssten. Offensichtliche Kandidaten wären Bell und Orior (ORON 86 -0.23%) und natürlich auch Emmi (EMMN 819 0.92%), Hochdorf (HOCN 79.9 -0.25%) und Nestlé (NESN 106.06 -0.67%). Und wenn auch die Laborratten in Würde sollen leben können, müsste man wohl auch auf Roche (ROG 288.2 -0.38%) und Novartis (NOVN 85.96 -0.84%) verzichten. Zwei Drittel des Index wären dann herausgefiltert. Ich wette, so betrachtet ist der Schweizer Aktienmarkt der tierfeindlichste der Welt.

Weitere Artikel aus dem Dossier «Nachhaltig investieren»

Alle Artikel »

Leser-Kommentare