Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nachhaltig investieren
Zum Thema: Die Heuchelei mit Green Bonds floriert

Der Luftikus vom 3. Dezember 2019

Manchmal braucht es nicht viel mehr als zwei Buchstaben, um aus einem konventionellen einen nachhaltigen Fonds zu machen.

Pünktlich zur Vorweihnachtszeit hat die Hochschule Luzern eine Heilsbotschaft bereit: Das Anlagevermögen konventioneller Publikumsfonds ist rückläufig, jenes nachhaltiger Fonds wächst um über 20% – von 2,9% auf 3,5% Anteil am gesamten Vermögen Schweizer Publikumsfonds. Wenn es also derzeit draussen grün ist, dann doch nicht wegen einer «grünen Revolution», sondern, weil es zu warm oder zu kalt oder zu trocken ist für die Jahreszeit. Sowieso sollte man die Studie nicht allzu ernst nehmen. Denn um aus den 9207 in der Schweiz registrierten Publikumsfonds die 582 «nachhaltigen» herauszufiltern, stützten sich die Autoren auf die Selbstdeklaration der Fonds. Wer also nicht «nachhaltig», «grün», «sozial», «Klima», «SDG», «ESG» oder sonst irgendeinen Begriff aus der sogenannten Alphabet-City im Namen trägt und stattdessen kreativer oder bescheidener war, hat Pech gehabt und kommt in der praktischen Übersicht nicht vor.

Überhaupt scheint Kreativität nicht im Trend zu sein, wenn es um die Benennung nachhaltiger Fonds geht. Der Hedge Fund Man Group beispielsweise hat im Studienzeitraum vier «nachhaltige Fonds» auf den Markt gebracht. Einer heisst «Man Numeric RI European Equity». Den Fonds gab es früher auch schon, damals hiess er noch «Man Numeric European Equity». Der Unterschied? «RI», Responsible Investment, Man(n)! Punkto Buchstabenaufwand beim Rebranding ein sehr ressourceneffizienter Fonds. Um «Responsible» heissen zu dürfen, schliesst Man nun Tabakfirmen und Unternehmen, die mehr als 30% des Umsatzes mit Kohle (Kohle 60.1 -1.48%) machen, aus. Der Fonds mit Sitz in Pfäffikon im Kanton Schwyz ist mit der Neupositionierung alter Fonds als ESG-Produkte in guter Gesellschaft. Über 3 Mrd. Fr. Anlagevermögen in Publikumsfonds wurde von Mitte 2018 bis Mitte 2019 so reingewaschen. Und auch bei Anleihefonds ist die Praxis laut der HSLU-Studie beliebt und trägt zum Schrumpfen konventioneller und zum Wachsen nachhaltiger Anlagen bei.

Bleibt zu hoffen, dass sich das Anlageverhalten der Fonds etwas mehr ändert als die Namen. Ein Blick auf das Portfolio des Man-RI-Fonds stimmt wenig zuversichtlich. Dort finden sich Namen wie Royal Dutch Shell (RDSB 1476 2.17%), und zu den grössten Positionen zählen Nestlé (NESN 102.22 -1.9%), Roche (ROG 308.7 -1.2%) und Novartis (NOVN 82.12 -0.4%). Gleich dahinter rangiert Alkoholherstellerin Diageo (DGE 2621 4.05%). Wer nun durstig wird und Lust bekommt auf ein Getränk mit nachhaltiger Wirkung, muss auf der Webseite von Diageo erst noch das Alter angeben. Aber keine Sorge: Selbstdeklaration.

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