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Der meistgehasste Kandidat für das Fed

Es ist eine böse Überraschung für seine Gegner: Dem ehemaligen Harvard-Präsidenten Larry Summers wird eine Chance auf die Nachfolge von Fed-Chef Ben Bernanke eingeräumt.

In seltener Einigkeit haben sich Kom­mentatoren in den USA auf einen neuen Kandidaten für die Nachfolge von Ben Bernanke eingeschossen

Lawrence Summers, Larry genannt, war zwar Finanzminister unter Bill Clinton in den Neunzigern und enger Wirtschaftsberater von Barack Obama bis 2010, doch von vielen Demokraten wird er als einer der Mitverursacher der Finanzkrise gesehen. Unter Clinton unterstützte er etwa die Abschaffung des Glass-Steagall Act, der Geschäfts- und Investmentbanken seit den Dreissigerjahren strikt trennte, und sprach sich gegen eine zusätzliche Regulierung der Derivatmärkte aus.

Seine Nähe zur Finanzindustrie wurde oftmals kritisiert. So kassierte der 58-Jährige Millionen als Berater für Hedge Funds. Unter Obama unterstützte er zur Eindämmung der Finanzkrise Liquiditätsspritzen für Banken, doch kämpfte er gegen ein weitreichendes Stimuluspaket – «er hasst Infrastruktur», meinte ein Abgeordneter erbost.

Auch Umweltschützer sind auf Summers nicht gut zu sprechen: Er war einer der Hauptopponenten in Obamas Administration gegen den Beitritt der USA zum Kyoto-Protokoll für die Reduktion von Treibhausgasen. Zum Hassobjekt der Feministinnen wurde er, als er 2006 – damals noch Harvard-Präsident – die geringe Anzahl weiblicher Physiker und Ingenieure mit einem Mangel an Hochintelligenz unter Frauen erklärte.

Unrühmlich war auch seine Rolle in Fehlspekulationen mit dem Vermögen der Harvard-Universität. So soll er dafür verantwortlich sein, dass die Universität Positionen in Zinsswaps eingegangen ist – am Ende hat dieses Engagement die Bildungsanstalt fast 500 Mio. $ gekostet.

Viele hatten den begabten Summers, der mit 16 Jahren am MIT studierte und mit 28 der jüngste fest angestellte Professor Harvards wurde, schon abgeschrieben. Doch jetzt gibt es für seine zahlreichen Gegner eine böse Überraschung: Er ist nach Medienberichten nun Favorit Obamas für die Nachfolge Bernankes, der wohl im Januar 2014 abtritt.

Dass er auf den Posten schon lange schielt, ist bekannt: 2010 soll er vor Ärger gekocht haben, als er nicht das Fed-­Zepter übernehmen durfte. Und seinen Kontakt zu Obama hat Summers nie abreissen lassen. Nach dem offiziellen Einlassprotokoll konnte er in den letzten zwei Jahren das Weisse Haus vierzehn Mal besuchen – Janet Yellen, Bernanke-Vize und bisher die Favoritin für dessen Nachfolge, dagegen nur einmal.

Es scheint, als würde das Weisse Haus nun austesten, ob Summers als Kandidat eine Chance hätte – immerhin muss er vom ­Senat als Fed-Chef bestätigt werden

Die Opposition ist gewaltig: Etwa ein Drittel der 54 demokratischen Senatoren hat anscheinend einen Brief unterschrieben, der Yellen als Kandidatin fordert.

Doch gemäss Ezra Klein von der «Washington Post» ist sich das Weisse Haus sicher, dass die «Opposition gegen Summers auf schlechten oder veralteten Informationen basiert». So sei der frühere Regulierungsbekämpfer nun ein Verfechter von mehr Regeln für Banken und für das Finanzsystem. Ausserdem habe man Vertrauen darin, wie der Ökonom eine neue Krise meistern könne. Und wohl am wichtigsten: «Obama mag Summers.» Dagegen sei Yellen dem US-Präsidenten noch ziemlich fremd.

Aber während Yellen als «dovish» – also zu einer lockeren Geldpolitik tendierend – bezeichnet wird, soll Summers die Anleihenkäufe des Fed kritisch sehen. Laut «Financial Times» sagte er an einer Konferenz im April über das ­Quantitative Easing (QE): «Nach meiner Ansicht ist QE weniger effizient für die reale Wirtschaft, als viele annehmen.» Die Anleihenkäufe richteten weder grossen Schaden an, noch nützten sie viel. Die Fiskalpolitik sei wichtiger.

Damit stellt sich Summers gegen Bernanke und Yellen, die oft den Nutzen des QE für die reale Wirtschaft unterstreichen. Summers wird sich aber mit solch provokanten Aussagen nun, kurz vor der Nominierung, zurückhalten.

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