Unternehmen / Schweiz

Der neue Bossard an der Spitze von Bossard

Beim Verbindungstechniker ist seit einem Monat wieder ein Nachkomme der Unternehmerfamilie CEO: Daniel Bossard tritt in grosse Fussstapfen.

Hätte jemand dem jugendlichen Daniel Bossard (BOSN 146.9 0.75%) gesagt, dass er einmal CEO des Unternehmens Bossard würde, er hätte den Kopf geschüttelt. Denn was das bedeutet, das wusste der junge Daniel genau. Sein Vater Heinrich Bossard führte das Unternehmen jahrzehntelang – mit enormem Engagement: «Mein Vater war häufig auch noch samstags und sonntags im Büro», erzählt Daniel Bossard. Allzu oft sahen die Bossard-Kinder den Vater nicht. «Ich wusste, dass der Job viele Pflichten mit sich bringt», sagt Daniel Bossard. «Es ist kein Spaziergang.»

Dennoch: Seit einem Monat verteilt  Daniel Bossard Visitenkarten mit der Funktionsbezeichnung «CEO». Er hat sich für die pflichtenreiche Aufgabe im Familienunternehmen entschieden – und den Job erhalten. Das sei nicht selbstverständlich gewesen, hält Bossard fest. Er habe sich gegen zwei bis drei interne und externe Kandidaten durchsetzen müssen. Den Entscheid habe zudem nicht die Familienholding gefällt, sondern der Verwaltungsrat. In diesem stellen die Familienvertreter mit drei von sieben Mitgliedern nicht die Mehrheit.

Dennoch war die Ernennung von Daniel Bossard zum neuen CEO naheliegend. Sein Werdegang liest sich wie eine Bewerbung für diesen Job: Ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen mit anschliessender Promotion. Nach dem Studium ein erster Job ausserhalb des Familienunternehmens, als Berater bei der Consultingfirma Accenture (ACN 184.5 0.33%): «Es war mir wichtig, ausserhalb des Familienunternehmens Erfahrung zu sammeln», sagt Bossard.

Anschliessend, vor 19 Jahren, der Einstieg ins Bossard-Unternehmen, wo Daniel Bossard als Erstes mit einem kleinen Team von Programmierern einen E-Shop und das Intranet aufbaut. Danach wird er Geschäftsführer von Bossard Dänemark und zieht für drei Jahre nach Kopenhagen. Während dieser Zeit kommt sein Vater, Heinrich Bossard, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Daniel Bossard ist 34, eine direkte Nachfolge als CEO ist damals keine Option. Bereits vor dem Tod des Vaters steht nämlich fest, dass Finanzchef David Dean die Funktion übernehmen soll. Der erste familienexterne CEO in der Geschichte des Unternehmens springt früher ein als geplant – und führt das Unternehmen schliesslich 14 Jahre lang enorm erfolgreich.

Zurück aus Dänemark übernimmt Daniel Bossard die globale Leitung der Sales- und Marketing-Abteilung. 2009 wird er CEO der Regionen Nord- und Osteuropa und damit Mitglied der Gruppenleitung. Er bleibt in dieser Funktion, bis er vor einem Monat das CEO-Amt von David Dean übernimmt.

Eine einfache Nachfolge ist das nicht: Während der Amtszeit von David Dean wuchs der Umsatz von Bossard um drei Viertel, der Betriebsgewinn verdreifachte sich, der Aktienkurs verfünffachte sich. Entsprechend euphorisch fiel die Würdigung des scheidenden CEO an dessen letzter Bilanzmedienkonferenz im März aus. Nach den Worten des Abschieds betrat der Neue, Daniel Bossard, die Bühne und fragte: «Kann ich es mir nochmals überlegen?» Ernst gemeint war das nicht.  Die Messlatte liege aber tatsächlich hoch, so Daniel Bossard. Er habe grössten Respekt für die Arbeit von David Dean. «Aber ich bin nicht er und es wäre das Fälscheste, jemanden kopieren zu wollen.» Dean komme von den Finanzen, er selbst habe einen Hintergrund in der Logistik und Produktionswirtschaft. «Ich werde mir in anderen Bereichen Unterstützung holen», so Daniel Bossard.

An der Unternehmensstrategie hält er aber fest. «Langweiligerweise wollen wir weiter machen wie bisher.» Dass wieder ein Bossard CEO des Verbindungstechnikers ist, hat für ihn «eine gewisse emotionale Komponente». Aber das stehe nicht im Vordergrund: «Letztlich müssen wir einfach unsere Leistung erbringen.»

Anders als sein Vater will Daniel Bossard die Wochenenden nicht im Büro verbringen. Der 49-Jährige hat zwei Kinder, acht- und elfjährig, und legt Wert darauf, Zeit mit ihnen zu verbringen. Zum Ausgleich geht er zudem gerne biken oder macht Ausfahrten mit einem alten Postauto, das seiner Familie gehört.

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