Die sich im oberen Segment positionierenden Unternehmen entwickeln für ihre Kunden hochindividualisierte Dienstleistungen. Im Finanzbereich war Luxus lange Zeit Synonym für massgeschneiderten Service, VIP-Behandlung, grosse Diskretion und Qualität der Beziehung zum Berater.

Später haben Industrialisierung der Dienstleistungen und Fintech (Spitzenfinanztechnologien) Riesenfortschritte gemacht. Traditioneller Luxus wurde marginalisiert zugunsten der Standardisierung der Produkte und vereinfachter Transaktionen. «Luxus, die Rede ist von echtem Luxus, definiert sich in Zukunft über die Qualität der erstklassigen Arbeit. Es geht nicht mehr um Schein, sondern um den kompromisslosen Luxus professionellen Bewusstseins und Qualitätsarbeit», so Claude Gonet, Berater der Generaldirektion bei Baring Brothers Sturdza in Genf.

Der ehemalige Verantwortliche für die Entwicklung des Schweizer Marktes bei Julius Bär war früher Direktor der SBS Waadt, später Chef Vermögensverwaltung bei der UBS Genf. Als Julius Bär aufeinanderfolgend von Ferrier Lullin, ING, Bank of China, Merrill Lynch und Leumi Schweiz übernommen wurde, «war es sehr schwierig, gemeinsame Werte zu finden». Claude Gonet stellt auch fest, dass mit den immer grösseren Bankinstituten und den damit verbundenen Einschränkungen und der Rigidität das Angebot kleiner, die Leistungen uniformer und oft auch unbefriedigender werden. «Die Zukunft liegt in Nischenprodukten, die von ‹Banken-Luxusboutiquen› angeboten werden.»

Claude Gonets Aufgabe bei Sturdza besteht darin, die Privatkundschaft zu vergrössern, indem in Bezug auf den selbstverständlich transparenten Preis hohe Qualität geboten wird. Luxus bedeutet auch Ehrlichkeit. «Die Spesen der grossen Institute liegen weit höher als diejenigen, die tatsächlich kommuniziert werden.» Angesichts der zahlreichen Banken, die erstklassige technologische Plattformen bieten mit Courtage und Depotgebühren, liegt der Mehrwert bei der Beratung. «Der Trend geht Richtung sehr weitgehender Individualisierung der Dienstleistungen.»

Zum Beispiel der Kunde, für den der Berater ein Flugzeug chartert oder für dessen Tochter er eine Schule im Ausland sucht. Die Bank an der Genfer Rue du Rhône peilt die grossen Schweizer und internationalen Vermögen an, die keine standardisierten, sondern massgeschneiderte Leistungen suchen. Auch gesetzliche Schikanen fördern nicht eben den Hochleistungsservice. «Die Systeme müssen mehr auf Kunden als auf interne Kontrollen ausgerichtet sein», schliesst Claude Gonet. Man macht hier also die ähnlichen Überlegungen wie in anderen Sektoren, wo Luxus weniger ins Auge springt, sondern etwas ist, was man schätzt und geniesst – Haute Joaillerie, Mode, Hotellerie, Privatschulen.